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Celle Stadt Mitreißende Hofmusik mit kantenfreiem Wohlklang
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mitreißende Hofmusik mit kantenfreiem Wohlklang
16:30 24.06.2012
Eine kleine Hofmusik Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Weit über 200 Gäste hatten den sonnendurchfluteten Garten der Keramikwerkstatt Dannhus in der Schuhstraße im wahrsten Sinne bevölkert, als Burghard Bock und seine Mannen mit einem derart fetzigen Sound loslegten, als wollten sie aus den alten irischen Folk-Wurzeln frische Knospen austreiben. Von der „Dirty Old Town“ über den „Lord of the Dance“ bis zum „Walk in the Irish Rain“ produzierten sie mit kantenfreiem Wohlklang aus sonorem Bass, treibender Gitarre, quirliger Flöte und rasanter Fidel derart lustvolle und vergnügte Bilder von der satt-grünen Insel, dass die schon legendäre Tanzmagie der bisweilen kauzigen irischen Folklore kaum jemanden unberührt ließ.

Zwischen den Musikstücken karikierte Bock mit Hilfe literarischer Quellen die sprichwörtlichen Mythen der Irishness: Hier die charakterisierenden Vorurteile und kuriosen Beschreibungen aus Favell Lee Mortimers „übellaunigem Reiseführer“, dort Frank McCourts zynisch-ironische Autobiografie „Die Asche meiner Mutter“ – ein Buch, in dem Tragik und Komik nicht ohne einander auszukommen scheinen. Ob Alkoholismus oder kirchliche Intoleranz, die Protagonisten werden gnadenlos vorgeführt. Doch immer – da schloss sich dann jeweils der Kreis zur Hofmusik – kamen diesen auch in tiefstem Elend noch fröhliche Lieder von den Lippen, die von „Grass-’n’-Groove“ mit viel Liebe zum überzeichnenden Detail präsentiert wurden: Lockere Trinklieder und flotte Songs rund um Irlands Menschen, von „I tell me Ma“ bis „Whiskey In The Jar“. Eine überzeugende und mit tosendem Schlussapplaus honorierte Darbietung.

Von Rolf-Dieter Diehl