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Celle Stadt Möbelhaus Goldberg: In Celles Wohnzimmern zu Hause
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Möbelhaus Goldberg: In Celles Wohnzimmern zu Hause
16:37 23.09.2016
Laura und Julia Goldberg blättern in alten Fotoalben. Schweren Herzens haben sie den Ausverkauf des Familienunternehmens "Goldberg Wohnen" nach 120 Jahren organisiert, nachdem die Eltern verstorben sind. Quelle: Michael Schäfer
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Dreißig Prozent auf alles und eine Zeitungsannonce haben ausgereicht und schon gingen innerhalb von sechs Wochen sämtliche Möbelstücke bei "Goldberg Wohnen" an der Mauernstraße über den Ladentisch. Bis auf drei Kissen und eine Vase. Schweren Herzens wickelten Laura und Julia Goldberg nach 120 Jahren das Familienunternehmen ab. Für die langjährigen Mitarbeiter und die Töchter von Dieter und Kornelia Goldberg war der Ausverkauf eine sehr emotionale Zeit. "Viele Stammkunden sind dabei nicht gekommen, weil sie es wohl nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren konnten. Andere wiederum waren da, um sich eine Erinnerung an unsere Eltern mitzunehmen", erzählen Laura und Julia Goldberg.

"Einige Kunden sagten, dass sie oft an Dieter Goldberg denken, wenn sie auf ihrem Sofa sitzen, das er für sie noch ausgesucht hatte", erklären sie weiter. Für die Stammkunden kam sein Tod Anfang Mai plötzlich: "Wir haben ihn doch neulich noch mit dem Fahrrad durch die Stadt flitzen sehen", hätten sie noch gesagt. Für Dieter Goldberg war der Möbelhandel seine Lebensaufgabe, die ihm viel Spaß bereitete und ihn zuletzt vom Verlust seiner Frau Kornelia im Jahr 2014 ablenkte. Selbst an seinen letzten Tagen nahm er vom Krankenhauszimmer aus Sonderbestellungen auf.

Wer bei Goldberg Wohnen einkaufte, pflegte nicht nur eine besondere Beziehung zu seinen Möbeln, sondern auch ein langjähriges Verhältnis zu Familie Goldberg. "Viele Celler haben über Generationen ihre Möbel bei uns gekauft. Unser Vater wusste genau, wie es zu Hause bei den Leuten aussah und welches neue Modell am besten dazu passen würde. Unsere Mutter hatte ein Händchen für ausgewählte Wohnaccessoires."

Traditionsbewusst hing das Porträt von Ernst Goldberg im Büro der Großeltern, der 1896 eine Tischlerei am Heiligen Kreuz eröffnete. Sein Meisterstück, ein Vertiko, steht heute noch im Flur von Laura Goldberg. Für die beiden Enkeltöchter war es normal, an der Bahnhofstraße zwischen Schaufensterpuppen zu spielen und sich unter den Betten und in den Schränken des elterlichen Möbelgeschäfts zu verstecken. "Unsere Oma ist 97 Jahre alt geworden und stand bis zum Schluss hinter der Kasse", sagen Laura und Julia Goldberg.

Auch wenn das Möbelhaus für die Familie ein zweites Wohnzimmer war, konnten sich die Töchter nicht vorstellen, das Traditionsunternehmen weiterzuführen. Schließlich lebt Julia Goldberg seit 16 Jahren in Hamburg und Laura Goldberg arbeitet als Kieferorthopädin. "Das Geschäft nebenbei weiterlaufen zu lassen, wird unseren Eltern nicht gerecht. Ihre Fußstapfen sind zu groß. Das würden die Kunden merken."

Von Dagny Rößler