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Celle Stadt Munitionsanlage in Winsen: Politik explodiert
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Munitionsanlage in Winsen: Politik explodiert
19:11 16.02.2015
Von Stefan Drößler WALLE-SCHMALHORN. Gefährliche Bomben und Panzergranaten – damit hantieren die sechs Männer einer Spezialfirma in Walle täglich. „Es ist auch schon einmal etwas explodiert“, sagt Entsorgungsstellenleiter Michael Holland. Allerdings liegt das schon einige Jahre zurück. In die Anlage soll nun investiert werden. Das Gelände im in der Nähe des Gewerbeparks Schmalhorn, auf dem die Männer arbeiten, gehört der Lindhorstgruppe. Sie hat eine etwa fußballfeldgroße Fläche an die Firma GRV LUTHE Kampfmittelbeseitigung GmbH im mecklenburgischen Ludwigsfelde vermietet. Seit dem 14. Mai vergangenen Jahres arbeiten die Feuerwerker an einer mobilen Anlage. Das Gelände ist von Wald umgeben und befindet sich in der Nähe der Bunker des ehemaligen Bundeswehr-Munitionsdepots, in denen die Firma Lindhorst noch Feuerwerkskörper lagert. lGebändigtes Höllenfeuer: Herzstück der Sprengstoff-Entsorgung ist der Detonationsofen. „Maximal ein Kilo Sprengstoff darf zur gleichen Zeit im Ofen zur Detonation kommen“, erklärt Holland. Er ist Maschienenbau-Ingenieur, aber schon seit 1993 als Feuerwerker aktiv. Der Stahlofen sei so dick, dass keine Lärmbelästigung entsteht, so Holland. Über ein Förderband wird das „Höllenfeuer“ mit ungefähr 300 Gramm Sprengstoff pro Detonation beschickt. Aus der Abluft des Ofens wird der Staub und säurebildende Gase herausgefiltert. Die Metall-Hülsen, die nach der Explosion übrigbleiben, bekommt der Schrotthändler. Der Müll wird fein säuberlich getrennt. „Es handelt sich fast ausschließlich um Fundmunition, einschließlich Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg, die vom Staatlichen Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Niedersachsen als handhabungssicher eingestuft worden ist“, teilt GRV-Geschäftsführer Helmut Pönisch mit. Bis heute hat die Firma nach eigenen Angaben an dem Standort 40 Tonnen Munition entsorgt, davon etwa 6 Tonnen Explosivstoff. Zum Vergleich: Die Rucksackbomber von London hatten b Quelle: Stefan Drößler
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Er sollte auf Antrag der WG Fragen zu der Genehmigung von MEA2 beantworten, hatte aber bereits einen Anschlusstermin angekündigt. Knobloch führte zu Beginn aus, dass es sich um eine kleine mobile Anlage handelt, bei der alle drei Jahre die Emissionen gemessen werden. „Die letzte Messung 2014 hat gezeigt, dass die Grenzwerte bei den Massenströmungen eingehalten werden”, so Knobloch. Er nahm auch Stellung zu dem Schornstein, den ein von Nachbarn beauftragter Gutachter aus Hamburg als zu niedrig kritisierte hatte. Der Schornstein sei zehn Meter hoch und entspreche den Vorschriften.

Bis zu diesem Zeitpunkt lief alles noch in geordneten Bahnen. Dann kam Albrecht Hoppenstedt (WG). Er kritisierte, dass auf dem Gelände 1460 Tonnen Sprengstoff lagerten, ohne dass es vernünftige Notfallpläne gebe oder die Feuerwehr über entsprechende Löschmittel verfüge. Der WG-Politiker holte auch noch einmal die Geschichte von der mit Lastern zugestellten Zufahrt hervor, die auf Satellitenfotos zu sehen sei. Hierzu hatte Jürgen Lindhorst, dem das Gelände dort gehört, allerdings bei der Vorstellung des Gutachtens gesagt, dass es sich um ein altes Foto und einen einmaligen Vorgang gehandelt hätte. Hoppenstedt bemühte auch noch einmal das Gutachten, um festzustellen, dass mit dem Ausstoß der Anlage nicht alles in Ordnung sei.

Die Antwort des Gewerbeaufsichtsamtsleiters brachte die Politik dann auf die Palme. Die Darstellungen von Hoppenstedt und vom Gutachter seien in Teilen falsch und der Hamburger Experte als Gutachter seines Wissens gar nicht zugelassen. Auf die Frage aus dem Ausschuss, was denn falsch war, sagte Knobloch wörtlich: „Das beantworte ich Ihnen jetzt nicht und ich muss jetzt gehen." Sprach´s, nahm seinen Aktenordner und verließ den Saal. Zuvor hatte er noch angekündigt, dass er dem WG-Abgeordneten Ulrich Kaiser bei einem Besuch im Gewerbeaufsichtsamt in ein paar Tagen Rede und Antwort stehen werde.

Bei den Mitgliedern des Umweltausschusses kam dieser Abgang nicht gut an. „Wir sitzen hier als Abgeordnete mit unseren Fragen. Dass Herr Knobloch jetzt einen anderen Termin hat, ist höchst unglücklich”, sagte Annette von Pogrell (SPD). Sie hielt den Abstand von drei Jahren für Abgasmessungen zudem für viel zu groß.

Auch Ernst-Ingolf Angermann (CDU) fand den Abgang „sehr ärgerlich, das ist ein sensibles Thema, das sachlich diskutiert werden muss”.

Es gab aber auch Kritik am Verhalten der Verwaltung, die bisher kein eigenes Gutachten rund um die MEA2 angestrebt hat. „Ich sehe eine klare Zuständigkeit des Landkreises. Das Gebiet rund um die Anlage ist unsere Aufgabe. Warum jetzt auf eine nicht zuständige Behörde abgestellt wird, kann ich nicht nachvollziehen”, sagt Ulrich Kaiser (WG) mit Blick auf ein Gutachten, das die Gemeinde Winsen gerade in Auftrag gegeben hatte. Auch Manuela von Butler (SPD) sah dort eine Zuständigkeit.

Der Kreis begründete seine Zurückhaltung damit, dass bisher alle Messungen des Gewerbeaufsichtsamtes unauffällig gewesen seien. Am Ende einigte sich der Ausschuss darauf, dass man das Winser Gutachten abwarten werde, sich an den Vorgaben dafür aber auch beteiligen möchte. (th)

Von Tore Harmening