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Celle Stadt Musik aus Finnland im Celler Beckmannsaal
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Musik aus Finnland im Celler Beckmannsaal
12:22 12.03.2012
Klavierkonzert mit dem Duo Martin Schumann und Andreas Oesterling. Quelle: Alex Sorokin
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Die Programmzusammenstellung bot ein höchst interessantes Spektrum von finnischen Volksweisen im Klaviergewand über romantische Klänge bis hin zur gemäßigten Moderne sowie Tango und Jazz. So wurde wunderbar aufgefächert, was finnische Musikkultur alles umfasst und selbst manch anwesendem Finnlandfreund unbekannt gewesen sein dürfte.

Ein geradezu impressionistisch angehauchtes Klavierstück von Sibelius leitete den Abend ein, des gleichen Komponisten heimliche Hymne Finnlands, „Finlandia“, beendete den Abend. Dass Ferruccio Busoni, vielleicht der erste musikschaffende Europäer im modernen Sinne, zeitweise in Helsinki lebte, wissen die wenigsten. Noch weniger bekannt sind Busonis „Finnländische Volksweisen“ für Klavier zu vier Händen, die als reizvollen, aber eher leichtgewichtigen Schluss des ersten Programmteils dienten.

Ein ganz anderes Kaliber ist Busonis zuvor gespielte „Carmen“-Fantasie, in Finnland entstandene Musik eines Deutsch-Italieners über Themen aus einer französischen Oper, die spanische Volksmusikelemente verarbeitete. Schade allerdings, dass die lustlose, uninspirierte Spielweise Martin Schumanns den Stücken nicht gerecht wurde. Da konnte Andreas Oesterling viel mehr gefallen. Dieser zeigte mit einer Tango-Improvisation und einem Jazz-Stück, dass er ein ganz anderes künstlerisches Kaliber ist als sein Partner. Oesterling zeigte Gestaltungskraft und erwies sich als wandlungsfähiger Musiker. Ihm zuzuhören machte Vergnügen, auch wenn ein Stück wie Rautavaaras zweite Klaviersonate nicht leicht zu hören ist.

Rautavaara ist in der Szene der zeitgenössischen Musik ein eher umstrittener Mann, da seine Musik oft rückwärtsgewandt wirkt. So konnte man es auch bei dieser Klaviersonate erleben. Das Stück klang eher wie eine mit ein paar Modernismen aufgepeppte Mischung aus Neoromantik und Expressionismus als zeitgenössisch, aber Rautavaaras Musik spiegelt hörbar eine ganz eigenständige künstlerische Persönlichkeit wider. Und als solche wird man sicher eines Tages hinter dem anachronistischen Charakter dieser Musik ihren wahren Wert erkennen. Oesterling hat das überzeugend vermittelt.

Von Reinald Hanke