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Celle Stadt Musik im Dialog mit Lyrik im Celler Beckmannsaal
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Musik im Dialog mit Lyrik im Celler Beckmannsaal
11:03 14.05.2014
Ulrike Franke- - Hubert (Klavier), Peter Hubert (Kontrabass) und Günther Hecht (Sprecher) Quelle: Alex Sorokin
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Wandel und Verwandlungen standen im Mittelpunkt des literarischen Konzertes „Metamorphosen – Musik im Dialog mit Lyrik“, zu dem der Künstlerverein Celle am Dienstag in den Beckmannsaal eingeladen hatte. Das Duo Ulrike Franke-Hubert (Klavier) und Peter Hubert (Kontrabass) sowie Günther Hecht (Rezitation) ließen in diesem intensiv geführten Dialog poesievolle Komponisten (unter anderem Schubert und Mendelssohn) und Lyriker wie Friedrich Hölderlin, Rose Ausländer und Thomas Mann zu Wort kommen.

Peter Hubert lieferte mit großem runden Ton wohlklingende Beweise dafür, dass der Kontrabass weitaus mehr ist als nur ein orchestrales Begleitinstrument. Mit dichtem Bogenstrich und virtuosem Schmelz ließ er sein Instrument volltönend singen. Es war ein Genuss, wie er etwa das lyrische Adagio aus Schuberts „Arpeggione“ (D 821) mit großem sanglichen Bogen und fein ausgearbeiteten dynamischen Klangaufbauten vom weich-transparenten Schimmern bis hin zu intensivem satten Leuchten und aufblühenden Schwellern zur Entfaltung brachte. Oder sein Changieren zwischen Dramatik, kapriziöser Zartheit und überquellender Fröhlichkeit bei der Kontrabass-Sonate von Robert Fuchs, einem kaum bekannten Komponisten, zu dessen Schülern Jean Sibelius und Gustav Mahler zählten.

Ulrike Franke-Hubert erwies sich als kongeniale musikalische Partnerin ihres Mannes, der es akkurat gelang, die heikle Klangbalance zwischen Kontrabass und Klavier zu meistern. Sensibel und zupackend zugleich sorgte sie für eine hohe Spannungsdichte in der Interaktion, ohne den Bass dabei zuzudecken. Auch bei der Rhapsodie von Arnold Maury, den Sonatensätzen von Klaus Dillmann und Mendelssohn Bartholdys „Liedern ohne Worte“ verstand sich das Paar vorzüglich auf feingliedriges Nuancieren. Ihre Vorträge erwiesen sich als gelungene Mischung aus energischem Ausdruck und lyrischer Zartheit. Emotionale Übertreibungen zügelten sie mit weichem Instrumentalgesang, kompensiert durch gedrosseltes Pathos und eine dezente Expressivität. Und wo es um die beredte Ausschattierung von Klang- und Ausdruckswelten ging, fand Peter Hubert intuitiv die richtige Tiefe.

Die Vorlagen zu den musikalischen Beiträgen lieferte Günther Hecht mit trefflich ausgewählten und glänzend artikulierten Rezitationen zum Thema. Von Arno Holz’ naturalistisch-lyrischem „Nun bin ich fern von jeder Welt, und förmlich spüre ich, wie die Sonne mir durchs Blut rinnt, Versunkenheit, nur noch ich“ über Thomas Manns „Lass unseren Blick sich auftun und unsere Augen groß sein für die Einheit der Welt“ und Hilde Domins „Ein Kuss birgt alle Küsse“ bis hin zu Peter Härtlings „Befreit von Gedankengeröll kannst du den Stein erweichen“ sorgte er für assoziationsreiche Übergänge.

Von Rolf-Dieter Diehl