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Celle Stadt Musikalische Achterbahn des Hoffens und Leidens
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Musikalische Achterbahn des Hoffens und Leidens
17:54 06.04.2016
Celle Stadt

In einem raffinierten Wechsel von Virtuosität, Eleganz und Gesanglichkeit wussten sie mit Charakterstücken, Tänzen und Liedern englischer, italienischer und deutscher Komponisten aus der Zeit zwischen Spätrenaissance und Frühbarock zu begeistern. „Spirit & Pleasure“ war ihr Programm überschrieben, bezogen auf die berührenden Gefühle, die in der Musik jener Zeit enthalten sind.

Von Vincenzo Calestanis umschmeichelndem „Damigella tutta bella“ bis zu Barbara Strotzis emotionsreichem Gefühlsausbruch „Lagrime mie“, von John Dowlands melancholischem „Flow My Tears“ bis zu Thomas Baltzars sehnsuchtsvollen Variationen über „Come Kiss Me Now“ reichte das Programm. Das Duo hatte dabei tief in das Füllhorn der Melodien jener Zeit gegriffen. Melodien, die von den Freuden des Lebens künden, die ihre Protagonisten aber auch auf eine Achterbahn des Hoffens und Leidens schicken und doch selbst in den dunkelsten Stunden des Liebesleids wie ein Trostpflaster wirken.

War etwa von Tränen die Rede, meinte man, die Violine weinen zu hören. Und beim Thema Eifersucht klangen beide Instrumente aufgekratzt, hektisch und zornig. Sanfte und zurückhaltende Passagen boten einen trostvollen Kontrast zu den lauten und aufgewühlten Momenten. Mit hinweisenden Moderationen, magischem Melos und unter die Haut gehender Expressivität verstanden es die Interpreten, das Publikum in diese Klangwelt hineinzuziehen. Ein Konzert, das hinsichtlich Empathie, Tiefe und emotionaler Anteilnahme zu einem Erlebnis wurde.

Von Rolf-Dieter Diehl