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Celle Stadt Musikalische Tiefe auf hohem Niveau
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Musikalische Tiefe auf hohem Niveau
17:57 02.01.2014
Der Auftritt der US-amerikanischen Liedersängerin - und Gitarristin Poeina Suddarth in Kunst & Bühne - war für die eine oder andere Überraschung gut. Quelle: Peter Bierschwale
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Das Bremer Musiknetzwerk „Songs & Whispers“ versteht sich als Förderer eher unbekannter Künstler und organisiert für sie Tourneen in Norddeutschland. Diese Konzerte sind immer für positive Überraschungen gut, wie bei dem Auftritt der US-amerikanischen Liedersängerin und Gitarristin Poeina Suddarth, die mit vier Begleitmusikern in Kunst & Bühne auftrat. Suddarth gefiel nicht nur mit ihrer guten Stimme, das Programm zeichnete sich durch eine erstaunliche musikalische Qualität und stilistische Vielfalt aus.

Solo-Auftritte von Singer-Songwritern leiden in der Regel unter der mehr oder weniger schlechten Gitarren- oder Klavierbegleitung, die keinen ganzen Konzertabend trägt. Poeina Suddarths Gitarrenspiel gestaltete sich musikalisch auch nicht sehr anspruchsvoll, aber für die musikalische Tiefe zeichneten ihre vier „Lucid Dreamers“ (Klarträumer) in der Besetzung E-Cello (Jake Saunders), E-Bass (Schuyler Nielson), Thomas Deakin (Trompete, Gesang) und Frankie Lindemann (Schlagzeug, Gesang) verantwortlich. Erstaunlich war allein schon, welche Vielfalt an Klängen und Rhythmen Frankie Lindemann aus seinem puristisch zusammengestellten Schlagzeug mit Hi-Hat, zwei Becken und einer Cajon („Holzkiste“) herausholte. Das klang eher konzertant und nicht wie ein Klangteppich, was die vier Musiker zu bieten hatten.

Meist feinfühlig unterstützt von einem oder beiden Background-Sängern, überstrahlte Suddarths helle und kräftige Stimme die Musik. Musikalisch blieb es stets auf hohem Niveau und unterhaltsam, denn die Lieder passten in keine Schublade, und das Publikum blieb immer gespannt, was als nächstes folgen würde. Es gab ruhige Balladen, klassische Songs, Ansätze von Bigband-Jazz oder gar sphärisch-atonale Klänge zu hören. Ähnlich schillernd war Suddarths Gesang: Sie gurrte wie ein Täubchen, zeterte wie eine Schlampe, ließ aber auch eine bezaubernde Bluesstimme hören.

Suddarths komplexe Texte waren zumeist von autobiografischer Natur, drehten sich mal frech, mal subtil um die Liebe, aber auch um andere existenzielle Fragen. Die Veranstaltung hätte mehr Zuschauer verdient gehabt.

Von Peter Bierschwale