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Celle Stadt Musikalischer Flickenteppich in Celler Congress Union
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Musikalischer Flickenteppich in Celler Congress Union
22:09 27.01.2014
Szene aus der Verdi-Opern-Gala mit der herausragenden Gesangssolistin Liana Sass (vorne links). Quelle: Benjamin Westhoff
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Verdi hat sich immer dagegen gewehrt, dass einzelne Solostücke, Duette oder Chöre aus dem Zusammenhang seiner Opern herausgelöst und zu Schlagern degradiert werden. So gesehen war der Versuch der Festspieloper Prag, die Gestalten aus verschiedenen Opern in einer frei erfundenen, abweichenden Handlung zusammenzuführen, eine interessante, wenn auch fragwürdige Alternative. Am Sonntag kam diese Variante einer „Verdi-Opern-Gala“ unter Beteiligung der Tschechischen Kammerphilharmonie Prag vor rund 220 Besuchern in der Congress Union zur Aufführung.

Den Inhalt der Handlung kann man hier getrost vernachlässigen. Doch die Art und Weise, in der die Akteure einen halbwegs dramatischen Bogen über die ausgewählten Einzelnummern – unter anderem aus „Rigoletto“, „Nabucco“ und „La Traviata“ – zu spannen und ihre Rollen auch theatralisch mit viel Esprit und Gefühl zu gestalten wussten, war überaus reizvoll. Dabei muss man vor allem den gesanglichen Leistungen Respekt zollen. Insbesondere die Sopranistin Liana Sass wurde in ihren wechselnden Rollen immer wieder mit Szenenapplaus bedacht. Mit ihrer auch in den Höhen ungemein tragfähigen Stimme samt zauberhaften Koloraturen kaufte sie – wie man so schön sagt – allen anderen den Schneid ab. Aber auch ihr Partner Josef Moravec wusste mit tenoraler Inbrunst die Herzen des Publikums zu erwärmen. Überhaupt: Sowohl die Solisten als auch der Chor wussten in diesem musikalischen Flickenteppich immer wieder ihre Stimmkraft ausdrucksvoll zu entfalten und auch ihr Darstellungsvermögen im Rahmen der Möglichkeiten unter Beweis zu stellen.

So geriet die Gala unterm Strich zu einer gelungenen Werbung für den Melodienreichtum der Verdi-Opern und für die menschlichen Facetten seiner Protagonisten, für ihre Gefühle und Leidenschaften. Trotz Orchester. Denn dessen Vorstellung war gelinde ausgedrückt befremdlich. Verdis dramaturgische Konstellationen – so weiß man – vermitteln sich in seinen Opern nach Art eines Sounddesigns. Wenn man diese dramatischen Finessen allerdings wie hier einem radikal reduzierten Orchester und einem verstimmten Klavier überlässt, darf man sich nicht wundern, dass die Magie und Wirkungsmacht dieser genialen Musik nur unzureichend zur Geltung kommt. So blieben etwa beim Zigeunerchor „Le fosche notturne spoglie“ aus „Der Troubadour“ oder beim berühmten „Nabucco“-Gefangenenchor „Va pensiero“ die dynamisch-dramatischen Spannungsmomente in ihrer emotional untermalenden Wirkung weit hinter vergleichbaren Aufführungen zurück.

Von Rolf-Dieter Diehl