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Celle Stadt Musiker wollen im Celler PopCamp an Performance feilen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Musiker wollen im Celler PopCamp an Performance feilen
20:13 10.05.2015
Die Berliner Band Mockemalör lieferten zum Popcamp Elektro-Chanson und Punkeresk teilweise auf Allemannisch. Sie haben den Einzug in Popcamp geschafft.  Quelle: Alex Sorokin
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Der Singer-Songwriter auf der Bühne nennt sich Kleinstadtlicht. Es ist Kevin Herrmann aus Zwickau. "Ich habe meine Band dabei", sagt der 23-Jährige, hängt sich eine Gitarre um den Hals und zückt die Mundharmonika. Nur wenige Stühle im Haus 7 der CD-Kaserne sind belegt. Darauf sitzen nur die sieben Jurymitglieder, die Kevins Auftritt bewerten und alle Bandmitglieder, die es auch zum "Live-Audit" vom PopCamp des Deutschen Musikrates geschafft haben.

Während der zwei Tage in Celle geht es intim zu, die Musiker haben einen geschützten Raum. Die vermeintlichen Konkurrenten leihen sich gegenseitig Instrumente aus. "Ich darf heute Simons Piano nehmen", bedankt sich Kevin.

"Hier zu sein, ist ein großes Privileg", sagen die Jungs von Tonomat 3000 aus Mannheim. Die Bands sind hier, weil Musikexperten sie vorgeschlagen haben. Danach suchte eine Jury die acht Bands anhand ihrer Mappen aus."Jede Band ist total eigen." Das hört man gleich beim ersten Auftritt von der Berliner Band "Mockemalör". Ihr Stil liegt irgendwo zwischen Schauspiel, Elektro und Klassik. Sängerin Magdalena Ganter hat bereits einen Mundartpreis gewonnen. "D Text vun ene sin in ere Mischig us Hochdytsch un Schwarzwälder Alemannisch", heißt es auf deren Wikipedia-Eintrag.

"Vielfalt statt Mainstream zählen beim PopCamp", sagt Projektleiter Michael Teilkemeier. Die Jury bewerte nach drei Kriterien: Originalität, künstlerische Umsetzung und Vermarktungsfähigkeit. Die fünf Bands, welche die Hürde in Celle nehmen, dürfen sich im PopCamp einen Dozenten wünschen. "In der Woche können sich die Bands nur aufs Musikmachen konzentrieren", so Teilkemeier. Daraus sollen die Musiker gestärkt hervorgehen und den Weg in die Professionalität finden, so wie Jupiter Jones, Alin Coen Band und Max Prosa, die bereits das Popcamp erfolgreich durchlaufen haben. "Irgendwann sollen sie von ihrer Musik leben können", erklärt Teilkemeier.

Bei TV-Castings drehe es sich nur um den Stimmennachwuchs. Die Lieder stammen aus der Schublade. Auf der Bühne lassen sich die Vollblutmusiker in ihre Seele schauen – kein Coversong weit und breit. "Wir wollen den Bands nichts überstülpen", betont Teilkemeier. Die Frontfrau von Katinka singt im Nina-Hagen-Style: "Meine Worte sind ausverkauft, meine Gedanken stehen im Regal und meine Liebe wirft sich zum Schrottpreis raus."

Als Kevin Herrmann vom Jurygespräch kommt, sagt er. "Vor acht Leuten zu stehen war irgendwie Angst einflößend." Jetzt ist er erleichtert. Sehr persönliche Fragen seien gestellt worden. Da geht es viel um Motivation. "Wenn ich auf der Bühne stehe, vergesse ich alles um mich herum." Das spärliche Publikum stört Kevin nicht. "Bei Singer-Songwritern geht es ums Zuhören."

Doch am Ende reicht es für ihn nicht ganz. Ins Camp einziehen werden die Münchner Alternativ-Rocker "Blackout Problems". Mit ihrem Elektrochanson auf Alemannisch sind auch Mockemalör aus Berlin dabei sowie die Jungrocker von "Van Holzen" aus Ulm. "Steal a Taxi" nennen sich die Bonner Musiker um Makeda Michalke mit einem Hang zu Funk und Soul. Auch der gefühlvolle Indie-Folk hat "The OWs" aus Köln weitergebracht.

Von Dagny Rößler