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Celle Stadt Muss Westerceller Brandstifter ins Gefängnis?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Muss Westerceller Brandstifter ins Gefängnis?
18:08 08.05.2015
Durch den Brand am Celler Hafen im Juli 2014 haben DLRG und Celler Yacht-Club alles verloren.  Quelle: Alex Sorokin
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Ein 23-jähriger Westerceller hat gestanden, den Brand am Mondhagen gelegt zu haben. Jetzt sitzt er in Untersuchungshaft. Der Prozess, der ihm in seiner aktuellen Situation droht, wurde dem Brandstifter des Celler Hafens bereits gemacht.

Am 14. April wurde der Jugendliche am Celler Amtsgericht schuldig gesprochen. Nachdem die Polizei ermittelt hatte, dass der damals 15-Jährige und sein 13-jähriger Freund für den Großbrand auf der Allerinsel verantwortlich waren, wurde er zunächst der vorsätzlichen Brandstiftung angeklagt. Das Jugendschöffengericht hat das jedoch nicht so gesehen und ihn lediglich schuldig der fahrlässigen Brandstiftung erklärt. Der 13-Jährige war aufgrund seines Alters noch nicht strafmündig, deshalb wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt.

Ob der mittlerweile 16-Jährige für diese Tat ins Jugendgefängnis muss, steht aber noch nicht fest. Der Minderjährige wurde nach Jugendstrafrecht verurteilt. Deswegen besteht die Möglichkeit, diese Entscheidung für zwei Jahre auszusetzen. „Das Gericht hat weder die Schwere der Tat noch die schädliche Neigung des Schuldigen so beurteilt, dass eine Jugendstrafe angemessen wäre“, sagt Witold Franke, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Celle.

Sollte der Jugendliche jedoch in den kommenden zwei Jahren auffällig werden, kann es zu einem sogenannten Nachverfahren kommen. Erst dann wird auch das Strafmaß verkündet, weiß der Oberstaatsanwalt.

Doch der schuldige Brandstifter wurde nicht einfach so in diese Bewährung entlassen. Er muss zu einem vierwöchigen „Warnschussarrest“. Diesen sitzen Jugendliche aus Celle in der Regel in der Jugendarrestanstalt Nienburg ab. Außerdem muss der 16-Jährige 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. „Das ist Teil der Bewährungsauflagen“, erklärt Franke. Das Urteil soll bereits rechtskräftig sein, weder Staatsanwaltschaft noch Verteidigung haben Widerspruch eingelegt.

Der geständige Brandstifter des Mehrfamilienhauses am Celler Mondhagen kann im Falle eines Schuldspruchs wohl nicht mit einem vergleichbar milden Urteil rechen. Die Mindeststrafe liegt bei Erwachsenen bei einem Jahr Gefängnisaufenthalt. Als erwachsen gilt man im Strafgesetz ab 21 Jahren. Das Strafmaß kann aber ansteigen auf bis zu 15 Jahre Freiheitsentzug. „Es ist nicht möglich, das jetzt seriös zu prognostizieren. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle“, erklärt Jurist Franke.

Da sich der Beschuldigte allerdings in Untersuchungshaft befindet, ist von einer erheblichen Straferwartung auszugehen, schätzt Franke ein. Denn Grund für die Haft ist in der Regel eine Fluchtgefahr, die besonders droht, wenn von einer Verteilung auszugehen ist.

Dem Westerceller kann in einer Verhandlung allerdings sein Geständnis angerechnet werden. „Das kann strafmildernd sein“, sagt Franke, der damit rechnet, dass die Ermittlungen in kurzer Zeit abgeschlossen sind. Dem Beschuldigten wurde bereits ein Verteidiger zur Seite gestellt. Dieser hat jetzt zunächst die Möglichkeit, sich einen Überblick zu verschaffen. Dann könnte es ganz schnell gehen, glaubt Franke: „Nach der Lage der Dinge läuft es auf eine Anklage heraus.“

Von Johanna Müller