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Celle Stadt Mutter opfert sich für Sohn auf
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mutter opfert sich für Sohn auf
21:44 02.09.2013
Mittagessen im Wohnmobil vor der Schule: Katrin Gruß hat ihrem an blutigem Durchfall leidenden Sohn Schaschlikspieße zubereitet. Quelle: Andre Batistic
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Katrin Gruß steht in der Küche, heute gibt es Schaschlik-Spieße mit Nudeln und Tomatensoße. Sie lächelt, denn sie weiß: Gleich hat ihr Sohn im Gymnasium Ernestinum Mittagspause und kommt sie im Wohnmobil auf dem Parkplatz an der Burgstraße besuchen. Viele wären nicht so fröhlich wie die 51-Jährige aus Wathlingen: Ihr 14 Jahre alter Sohn ist seit zehn Jahren an Colitis (siehe Infokasten) erkrankt, benötigt spezielle Therapien und Betreuung. Sie selbst ist seit dem Jahr 2000 Rentnerin, weil sie schwer an Brustkrebs erkrankte. Trotz allem schmückt das Gesicht derMutter ein Lächeln – jeden Tag.

Das war nicht immer so: Im Jahr 2006 liegt Max auf der Intensivstation, „feiert“ dort seinen siebten Geburtstag. In seinem Bauch stieg das Wasser, die Bauchspeicheldrüse hat ausgesetzt. Der heutige Neuntklässler wurde an eine Morphium-Pumpe angeschlossen. „Wir hatten Angst, dass er es nicht schafft“, sagt Katrin Gruß. Dank seines Kämpferherzens überlebte er und schaffte trotz 136 Fehltagen die erste Klasse.

Die schulischen Leistungen sind kein Wunder: Ein Intelligenztest hat bewiesen, dass Max hochbegabt ist. Er sollte eine Klasse überspringen, doch Max und seine Familie entschieden sich aufgrund der Erkrankung dagegen. Sie beschäftigt ihn manchmal auch im Unterricht. „Es ging gar nicht anders. Ich muss ja neben den Behandlungen auch irgendwann lernen“, sagt Max, der einige Zeit sogar im Rollstuhl saß.

Seine Mutter unterstützt ihn mit all ihren Kräften. Jeden Morgen um kurz nach 7 Uhr fahren sie mit dem Wohnmobil los. Während Max zur Schule geht, liest, schläft oder kocht seine Mutter. Eigentlich hatte Gruß 2005 das Mobil von ihrem Mann geschenkt bekommen, um sich von ihrer Erkrankung zu erholen. Nun dient es Mutter und Sohn als Wohlfühl-Oase. „Die Jahre an der Schule habe ich auch für mich gebraucht“, sagt die Krebs-Patientin. „Ich war heilfroh, hier zu sitzen, denn ich musste die Finger still halten, konnte keine Hausarbeiten machen.“ Die ersten Jahre habe sie „viel geweint“. Heute gehe es ihr gut. „Wie sagt man so schön? Man arbeitet an der Gesundheit.“

Und das machen beide derzeit gut: Zwar hatte Max jüngst Probleme wegen Eisenmangels, doch auch das ist dank Infusionen überstanden. Im Sommer ist die Familie das erste Mal gemeinsam mit dem Wohnmobil in den Urlaub gefahren. Ganz nach dem Motto, das Mutter und Sohn in den vergangenen Jahren gelernt haben: „Man weiß nie, was am nächsten Tag ist. Warum sollte man ein Leben lang Angst haben? Man soll jeden Tag genießen.“

Max selbst zeigt sich unendlich dankbar: Seine Mutter ist immer da, wenn er Hilfe braucht, führt im Wohnwagen Wechselkleidung mit, bekocht ihn, saß sogar in einer akuten Phase mit Sanitätern vor dem Klassenzimmer. Das Engagement seiner Mutter bedeutet dem Jugendlichen viel: „Sie nimmt so viel auf sich. Meine Mutter ist die Beste“.

Von Andre Batistic