Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Mythos um Celler weiße Weihnacht
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mythos um Celler weiße Weihnacht
17:48 02.12.2016
Celle Stadt

Richtig ist, dass die Winter mit dem ersten großen Schub der Klimaerwärmung seit Beginn der 1990er tendenziell milder, regnerischer und damit auch schneeärmer geworden sind. Falsch ist, dass es heute nicht mehr ordentlich kalt werden kann. Großwetterlagen mit der Zufuhr arktischer Winterluft aus Osten sind nach wie vor möglich. Dazu braucht es nur ein standhaftes Hochdruckgebiet in der richtigen Position über Nordeuropa. An seiner Ostflanke können dann arktische Luftmassen vom Nordpol über Nordsibirien und Nordwestrussland zu uns gelangen oder auf direktem Weg aus dem sibirischen Kälteklotz ausfließen.

So geschehen zuletzt im Winter 2009/2010, als auf einen schon sehr frostigen Dezember ein extrem kalter und verschneiter Januar und ein ebenfalls kalter schneereicher Februar folgte. Insgesamt endete dieser letzte kernfeste Winter in der Südheide mehr als zwei Grad zu kalt. Auf gut vier Grad unter normal brachte es davor der Eiswinter 1995/96, der in Mitteleuropa zu den kältesten fünf des 20. Jahrhunderts gehörte. Im Wattenmeer türmten sich riesige Eisbarrieren auf, die westliche Ostsee war großflächig zugefroren, Kanäle und selbst große Flüsse wie die Elbe wochenlang von Eismassen blockiert.

Dass weiß gepuderte Weihnachten heute seltener sind als früher ist höchstens tendenziell richtig. Schnee zum Christfest war schon zu Urgroßvaters Zeiten die große Ausnahme. Hintergrund ist das ungeliebte Weihnachtstauwetter, das eines der treffsichersten Witterungsregelfälle überhaupt ist. Dabei weht mit stürmischen West- bis Südwestwinden meistens zwischen dem 24. und 29. Dezember milde und feuchte Atlantikluft nach Mitteleuropa. Diese kann eine bereits vorhandene Schneedecke bis in hohe Mittelgebirgslagen abschmelzen lassen. In der Südheide hat das Weihnachtstauwetter die traurig hohe Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent. Das heißt: Innerhalb von zehn Jahren kann das Christkind nur zweimal oder durchschnittlich alle fünf Jahre mit dem Schlitten zur Bescherung vorfahren. Zuletzt gelang dies perfekt vor sechs Jahren an Weihnachten 2010, als ganz Deutschland – was nur sehr selten vorkommt – unter einer geschlossenen Schneedecke lag. Nach vielen eiskalten Dezembertagen mit wiederholtem Flockenwirbel lag die Schneehöhe bei 28 Zentimetern und das Quecksilber sank in der Heiligen Nacht in Celle auf minus zwölf Grad. (zak)

Von Reinhard Zakrzewski