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Celle Stadt Mythos vom Wer-, Wes- und Wemwolf
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mythos vom Wer-, Wes- und Wemwolf
16:55 05.03.2012
Figurentheater spezial \\"Alle seine Entlein\\" und \\"Wˆlfe\\" - Wˆlfe 01 zeigt Maik Evers, Stefan wenzel und Katharina Muschiol Quelle: Luigi Consalvo
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Die Kinder im Kulturbistro „Kunst & Bühne“ haben es sich auf dem Fußboden mit Decken und Kissen gemütlich gemacht. Auf dem kleinen Podest vor ihnen summt jemand leise ein Lied vor sich hin. Sonst ist es Mucksmäuschen still. Dann wird es dunkel im Raum. „Hunger“ brummelt es von der Bühne, und man hört den Magen der jungen Schauspielerin dabei förmlich knurren. Die Produktion des Figurentheaters „Eigentlich“ mit Birte Hebold als Darstellerin und gleichzeitig Puppenspielerin heißt „Alle seine Entlein“ und ist für Kinder ab drei Jahren gedacht. Und wo eine Ente ist, befindet sich auch ein Fuchs. Aber das ist für Birte Hebold kein Problem. Aus ihrem roten Mantel formt sie blitzschnell einen Fuchs und aus einem Stückchen Federboa mit roter Wäscheklammer oder einem trockenen Brötchen wird zur Freude der Kinder ein kicherndes Küken, das nur spielen will, den Fuchs seinen „Papa“ nennt und selbst in der Pfanne nicht stillsitzen kann. Das ist inhaltlich unkompliziert, hat Charme und jede Menge Witz, reizt die Fantasie der Kinder mit zahllosen Ideen und bringt auch die Erwachsenen zum Lachen. Hinzu kommt Birte Hebolds ausgeprägtes mimisches Talent und ihre Fähigkeit, Geräusche zu imitieren. Da ploppt im Wasser ein Fisch, die kleinen Enten piepsen und im Baum, der eigentlich ein Reisigbesen ist, zwitschert „behände“ ein Vogel. Ein beglückender Nachmittag für Kinder und Eltern.

Da ist die Produktion der „Gruppe K“ aus Stuttgart mit Maik Evers, Katharina Muschiol und Stefan Wenzel am frühen Abend im „Bunten Haus“ der CD-Kaserne sehr viel ernster. Auch wenn die Puppen hier nur eine untergeordnete oder ergänzende Rolle spielen. Um „Wölfe“ geht es, um den Wer-, Wes- und Wemwolf, um ihren Mythos, um Rotkäppchen in gar nicht märchenhafter Form und um dunkle Mondnächte, in denen die Wölfe endlos heulen und „Blue Moon“ singen. Richtig ungemütlich wird es, wenn der Jäger naht oder wenn man sein Revier verteidigt. Da gerät man sich schon mal heftig in die Haare. Viel Fell wird an- und aus- und umgezogen, eine E-Gitarre jault und Winde wehen. Irgendwie scheinen in uns allen Wölfe zu stecken. Sei kein Schaf, sonst wirst du gefressen. Der Wolf ist überall. Sogar in deiner Hosentasche. Das alles hat Biss, aber auch Längen, optische Reize, aber auch inhaltliche Schwächen, und was insgesamt nett anzusehen ist, kommt trotz allen Engagements der Darsteller mit einem guten Schuss Humor über gute Unterhaltung kaum hinaus. Aber vielleicht wollte man ja auch gar nicht mehr. Der Beifall am Schluss war stark.

Von Hartmut Jakubowsky