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Celle Stadt NS-Dokumentationsstätte im Torhaus zu teuer
Celle Aus der Stadt Celle Stadt NS-Dokumentationsstätte im Torhaus zu teuer
13:06 26.02.2012
Von Oliver Gatz
Das geplante NS-Dokumentationszentrum im Torhaus verursacht Kosten in Hˆhe von mehr als zwei Millionen Euro. Angesichts der prek‰ren Haushaltssituation der Stadt r‰t die Verwaltung dazu, das Vorhaben auf Eis zu legen. Quelle: Peter M¸ller
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Die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in Celle ist in den vergangenen Jahren mit Nachdruck vorangetrieben worden. Ein Baustein in dem weiteren Prozess sollte ein NS-Dokumentationszentrum werden, das im Torhaus am Neuen Rathaus untergebracht werden soll. Nun zeichnet sich ab, dass sich das Projekt aufgrund der prekären Haushaltssituation der Stadt nicht realisieren lässt. Für die kommende Sitzung des Kulturausschusses am 8. März schlägt die Verwaltung vor, das Vorhaben auszusetzen.

Der Kulturausschuss hatte im November die Verwaltung beauftragt, eine Kostenschätzung abzugeben. Ergebnis: Das Projekt ist zu teuer. Allein für die Sanierung und den Umbau des Torhauses fallen voraussichtlich Kosten zwischen 1,2 und 1,4 Millionen Euro an.

So fehlen in dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude aus dem Jahr 1880 ein Treppenhaus und ein Aufzug. Die Fassade müsste komplett saniert werden. Überdies verursacht die Erneuerung der Heizung, der Beleuchtung und der Elektro- und Sanitärinstallationen hohe Kosten. Die Ausgaben für die Außenanlagen, technische Ausstattung und Möblierung könnten derzeit nur grob geschätzt werden, heißt es im Neuen Rathaus.

Zusätzlich prognostiziert die Verwaltung für die Einrichtung einer Ausstellung Kosten in Höhe von rund 545.000 Euro. Hinzu kommen etwa 405.000 Euro, die im Zusammenhang mit der Erarbeitung wissenschaftlicher Grundlagen stehen, so dass die Summe der einmaligen Kosten zwischen 2,2 und 2,4 Millionen Euro liegen könnte. Für die laufenden Kosten – also wissenschaftliche Betreuung, Aufsicht, Betriebskosten und Bauunterhaltung - geht die Verwaltung von jährlich etwa 179.000 bis 197.000 Euro aus.

Den Vorschlag der Verwaltung, das Vorhaben auszusetzen, lehnt die Vorsitzende des Kulturausschusses, Amei Wiegel (SPD), ab: „Das ist mir eine zu ängstliche Reaktion auf das Stirnrunzeln der Finanzhüter auch in unserem Ausschuss." Richtig sei, dass die aufgelisteten Kosten einen erst einmal erschrecken könnten. Dennoch: „Die Kosten für die eigentliche Ausstellung und die Ausgestaltung halte ich für angemessen angesichts des faszinierenden Konzeptes, das damit verwirklicht würde", sagte Wiegel. Damit könnte das Torhaus zu einem „Lernhaus“ mit Ausstrahlungskraft werden, insbesondere für die die jüngere Generation. „Bevor wir diese Perspektive gänzlich aufgeben und vor dem Haushaltsloch kapitulieren, setze ich mich ein für die Weiterarbeit an dem Projekt in vielleicht kleinen, derzeit bezahlbaren Schritten und für die Suche nach Bundes- und Landestöpfen."

Bereits in der Novembersitzung des Kulturausschusses gab es Bedenken, ob das Vorhaben finanziell realisierbar ist. Roger Scherer (Unabhängige) und Joachim Falkenhagen (FDP) meldeten Zweifel an. Anders die Position der Grünen: Man könne nicht jedes Vorhaben mit dem Totschlagargument Haushalt platt machen, hieß es.