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Celle Stadt Nach Eklat im Rathaus: Kritik an Mende und CDU
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Nach Eklat im Rathaus: Kritik an Mende und CDU
09:32 20.02.2014
Wegen Rauswurf von Ratsmitgliedern in der Kritik: Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD). Quelle: Benjamin Westhoff
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Die Reaktionen reichen von "verständlich" (SPD) über "dünnhäutig" bis "niveaulos": Der Eklat im Rathaus hat zum Teil scharfe Kritik am Verhalten des Celler Oberbürgermeisters Dirk-Ulrich Mende (SPD) ausgelöst. Dieser hatte am Dienstag im Rahmen einer Dienstbesprechung verärgert Ratsmitglieder aus dem Sitzungssaal geworfen.

Offenbar hat Mende schon mindestens einmal zuvor einen solchen emotionalen Auftritt gehabt. Wie ein Bürgermeister-Kollege aus dem Landkreis Celle der CZ berichtete, ist Mende in einer Verhandlungsrunde mit weiteren Hauptverwaltungsbeamten ähnlich emotional geworden. „Für mich hatte das cholerische Züge”, erinnert sich der Bürgermeister. Ein weiterer Kollege von ihm bestätigt das gegenüber der CZ.

Die Bürgermeister finden das Vorgehen von Mende auch grundsätzlich schwierig: „Vorne auf dem Schild steht Rat- und nicht Bürgermeisterhaus. Dann Ratsmitglieder vor die Tür zu setzen, ist aus meiner Sicht eine undenkbare Vorgehensweise”, sagt einer.

Iris Fiss, Franktionsgeschäftsführerin der Unabhängigen, hatte an der Dienstbesprechung teilgenommen. Mende habe sich von einigen Ratsmitglieder "überrollt" gefühlt. Er sei dann „ziemlich ausgerastet“. „Ich fand die ganze Situation sehr bedauerlich und auch recht niveaulos", sagt Fiss. Probleme sollten nicht auf diese Weise gelöst werden. „Vielleicht kann der eine oder andere jetzt nachvollziehen, warum ich nach 17 schönen Jahren SPD im vergangenen Jahr gegangen bin."

Grünen-Fraktionschef Bernd Zobel wirft der CDU mit Blick auf die Wahl des neuen Stadtbaurates "undemokratisches Verhalten" und einen Bruch des vereinbarten Entscheidungsprozesses vor. Er spricht von „versuchter Erpressung". Wesentliches Konzept der CDU sei es, dem Oberbürgermeister Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Gleichwohl übt Zobel Kritik an Mendes „dünnhäutigem Verhalten“ und fordert von ihm eine Entschuldigung für den Rauswurf. „Das war eine nicht zu akzeptierende schlechte Haltungsnote“, so Zobel.

"Die Reaktion von Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende ist nur allzu verständlich", sagt hingegen SPD-Fraktionschef Jürgen Rentsch, der am Dienstag zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar gewesen war. "Die Amtszeit der Ersten Stadträtin Frau Dr. Schmitt endet im November. Und weil ihre Aussichten, ins europäische Parlament zu gelangen, nahezu Null sind, wollen ihre Parteifreunde das CDU-Mitglied Schmitt nun für die nächsten acht Jahre mit einem sicheren Einkommen versorgen. Das soll so nebenbei bei der Wahl des Stadtbaurates geschehen, und auch Bedingung für dessen Wahl sein. Damit haben CDU und FDP den Eklat provoziert. Es kann nicht sein, dass jemand, für den Celle immer nur zweite Wahl war, nun mit Hilfe von parteipolitischem Filz und Klüngel nur mit der Qualifikation Parteibuch einen solch bedeutenden Posten in der Stadt erneut besetzen will." Celle habe etwas Besseres verdient, als zweite Wahl zu sein, so Rentsch.

Das Vorgehen von CDU, FDP und anderen ähnele einem Erpressungsversuch und werde von der SPD-Fraktion aufs Schärfste verurteilt, kritisiert Rentsch. Michael Bischoff (CDU) warf er mit Blick auf die Wahl des Stadtbaurates vor, den verbliebenen Kandidaten "zum Spielball der Politik zu machen, nur um eine Parteifreundin zu versorgen". Das grenze an skandalöses Verhalten, sei dem Kandidaten gegenüber äußerst unfair und stelle die Stadt insgesamt in einem schlechten Licht dar.

Von Oliver Gatz und Tore Harmening