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Celle Stadt Nach Flucht ins Frauenhaus: Cellerin erhält Rechnung
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Nach Flucht ins Frauenhaus: Cellerin erhält Rechnung
22:08 26.11.2014
Von Jürgen Poestges
Quelle: Peter Steffen
Celle Stadt

Eine Rechnung vom Frauenhaus: Damit hatte Irina G. nicht gerechnet. „Ich wusste nicht mehr weiter. Und ich war aus großer Verzweiflung auf der Suche nach netten Leuten“, sagt sie. Sie selber hat fünf Mal, ihr Sohn vier Mal im Frauenhaus übernachtet. Jetzt bekam sie den Bescheid: 398,76 Euro soll sie bezahlen. „Der Aufenthalt im Frauenhaus hat mir nur noch mehr Chaos und finanzielle Last in mein Leben gebracht“, sagt G.

Natalia Behre, Leiterin des Frauenhauses, stellt dagegen klar, dass natürlich Kosten für die Übernachtungen und Beratungen anfallen würden. „Aber wir sagen den Frauen, sie sollen sich an das Jobcenter wenden. Dort werden die Kosten zumeist dann erstattet.“ Wenn das aber nicht geschehe, dann müsse man sich an die Betroffenen noch einmal wenden. „Wir wollen dann aber sicherlich nicht von heute auf morgen den kompletten Betrag bekommen“, sagt Behre. „Es findet sich immer ein Weg.“ Es sei doch jedem klar, dass die Frauen, die den Schritt ins Frauenhaus gewagt haben, sicherlich schwerwiegendere Probleme hätten als Rechnungen zu bezahlen. „Man muss nur miteinander reden.“

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Celle, Rosemarie Lüters betont indes die Notwendigkeit niederschwelliger Angebote: „Häusliche Gewalt vollzieht sich oft im Verborgenen und über längere Zeiträume. Beratungs- und Hilfeangebote müssen in Notsituationen kurzfristig unterstützen aber auch langfristig beratend und begleitend angelegt sein“, sagt sie. Sieglinde Wittmann vom Haus der Familie hebt hervor, dass der Bedarf in Celle offenkundig ist. Im Jahr 2013 sind allein im Haus der Familie 77 Personen aufgenommen worden, 42 Frauen und 35 Kinder. In der Beratungs- und Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt (BISS) wurden 193 Frauen mit 252 Kindern kontaktiert.

Den Wert vorbeugender Maßnahmen begründet Natalia Behre: „Die Statistiken für die letzten Jahre zeigen, dass es viele Frauen geschafft haben, die Gewaltspirale zu durchbrechen. Immer mehr Frauen haben den ersten Schritt aus der Gewaltbeziehung gewagt. Verstärkt müssen präventive Maßnahmen Anwendung finden, um Gewalt von vornherein zu verhindern.“

Hilfe erhalten Frauen in Not in den Beratungsstellen Feroxia und BISS sowie in den Celler Frauenschutzhäusern. Beide Häuser sind Tag und Nacht erreichbar. Das Frauenhaus Celle unter ☏ (05141) 25788 und das Frauen- und Kinderschutzhaus, Haus der Familie unter ☏ (05141) 6633.

Ein bundesweit erreichbares Hilfetelefon bietet zusätzliche Unterstützung. Kostenlos und rund um die Uhr ist unter ☏ 08000 116 016 Beratung und Hilfe in 15 Sprachen zu erhalten.