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Celle Stadt Nach Frost im Frühjahr: Weniger Obst und Beeren im Landkreis Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Nach Frost im Frühjahr: Weniger Obst und Beeren im Landkreis Celle
17:59 06.07.2017
Jedes Jahr pflücken Agnes und ihre Familie aus dem Landkreis Gifhorn Himbeeren auf dem Beerenhof von Wilhelm Alps. Dieses Jahr gibt es allerdings weniger rosa Beeren, denn die Frostphase im Frühjahr hat einige Blüten absterben lassen. Auch andere Landwirte haben mit Ernteeinbußen zu kämpfen. Quelle: Oliver Knoblich
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„So eine Kälte, so lange, haben wir noch nie erlebt“, sagt Andreas Cammann aus Paulmannshavekost bei Eicklingen. Auf rund 25 Hektar baut er Erdbeeren an. Trotz Folientunnel und Schutzvlies sind laut Cammann etwa 20 Prozent weniger Erdbeeren gereift, auf den ungeschützten Flächen liegt der Wert mit etwa 30 bis 40 Prozent sogar noch höher. „Es war einfach zu extrem, bei solchen Temperaturen bleibt immer etwas hängen“, sagt der Landwirt. Seit dem 2. Mai werden Cammanns Erdbeeren geerntet, in wenigen Tagen ist Schluss. Die Frostschäden hätten zu einer „erheblich geringeren Erntemenge“ und damit auch zu höheren Preisen geführt, zieht der Landwirt Bilanz. „Bei weniger Ware steigt der Preis“, erläutert Cammann.

Ähnlich dramatisch sieht die Lage auf dem Obst- und Beerenhof von Wilhelm Alps bei Gockenholz aus. „Bei den Kirschen und Zwetschgen ist es eine Katastrophe, wirklich jämmerlich“, sagt der Obstbauer. Die Ernteausfälle schlagen sich vor allem bei den Kirschen auf den Preis nieder. „Die Menge ist nicht da, deshalb sind die Kirschen dementsprechend teurer.“

Auch die Stachelbeeren hätten gelitten. Bei den früh gewachsenen Himbeeren habe es ebenfalls Einbußen gegeben, aber es gibt auch eine positive Nachricht: „Die späten Himbeeren haben‘s überstanden“, sagt Alps. Seit dem 23. Juni werden die rosa Beeren auf dem Gelände gepflückt.

Mit Folientunnel und Frostschutzberegnung könnte man dem Frost etwas entgegensetzen und die Pflanzen vor Schäden bewahren, sagt Alps. Für ihn komme diese Methode jedoch nicht infrage: „Das hat mit Natur nicht mehr so viel zu tun. Wir wollen naturnah produzieren.“ Außerdem würde sich der erhöhte Aufwand im Preis niederschlagen.

Landwirt Arne Deecke aus Lachendorf verzichtet ebenfalls auf Frostschutzberegnung, da seine 20 Hektar großen Heidelbeer-Anbauflächen zu konzentriert seien. „Die technischen Möglichkeiten helfen ohnehin nur bis zu einer bestimmten Temperatur“, sagt Deecke.

Seine Heidelbeeren haben die Frostphase laut Deecke gut überstanden. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.“ Lediglich bei den frühen Sorten seien einige Blüten abgefroren. „Wir hatten minus 6 Grad auf dem Feld, das ist die äußerste Schmerzgrenze“, sagt Deecke. Deshalb habe er gedacht, dass die Einbußen höher ausfallen würden – die seit Montag laufende Ernte zeigt nun ein anderes Bild.

Der Lachendorfer Landwirt kann dem Ganzen auch etwas Positives abgewinnen: „Bei weniger Blüten können die Blaubeeren etwas dicker werden.“

Von Amelie Thiemann