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Celle Stadt Nach Raubüberfall in Celle: Landgericht verurteilt 23-jährigen Flüchtling
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Nach Raubüberfall in Celle: Landgericht verurteilt 23-jährigen Flüchtling
12:01 28.09.2017
Quelle: dpa (Symbolfoto)
Celle Stadt

„Der Gesetzgeber hält nichts von Räubern. Man muss sich das einmal vorstellen, mehrere Täter gehen auf ein Opfer los. Das veränderte das Sicherheitsgefühl der Menschen in Celle. Das ist unerträglich. Da gibt es keine Chance für Bewährung“, sagte Richter Ulrich Subatzus während der Urteilsbegründung. Dem Angeklagten gefielen die deutlichen Worte gar nicht. Noch zu Prozessauftakt wusch er seine Hände in Unschuld und hob hervor, dass ihn Falschaussagen auf die Anklagebank gebracht hätten.

Es dauerte einige Zeit, bis die 4. Große Strafkammer den Fall vollständig lösen konnte. Mitte Mai erhielten drei Banditen unter anderem wegen schwerer räuberischer Erpressung Haftstrafen zwischen vier Jahren und vier Jahren und sechs Monaten. Der Beschuldigte tauchte damals ab. Das Verfahren mussten die Richter abtrennen, um es nach der Festnahme des Mannes neu zu starten.

Als Justizbeamte das 29-jährige Opfer am späten Dienstagvormittag in den Saal 121 baten, schaute er verängstigt in Richtung des Angeklagten und begann nach kurzer Pause, im Zusammenhang zu erzählen. Kurz vor Mitternacht ging der Koch an jenem 12. November vorigen Jahres Richtung Innenstadt, um noch einen „Absacker“ zu trinken. Im Bereich der Hannoverschen Straße lehnten mehrere Personen an einem Geländer.

Plötzlich sprach ihn ein Mann an, fragte nach einer Zigarette. Im Nu traten die Komplizen hervor, brachten den Geschädigten zu Boden, hielten seinen Mund zu und schleiften ihn zu einem am Wegesrand befindlichen Gebüsch. Das Trio durchsuchte gezielt Hosen- und Jackentaschen, um mit 60 Euro Bargeld, Ausweisdokumenten, Schlüsselbund und Handy zu verschwinden. Eine sofort eingeleitete Fahndung blieb erfolglos.

Der zuständige Ermittler der Polizeiinspektion Celle berichtete, dass sich im vergangenen Jahr Überfälle in Celler Park- und Grünanlagen gehäuft hätten. Der Modus Operandi sei immer identisch gewesen. Die Langfinger verwickelten die Passanten in ein kurzes Gespräch, um sie danach völlig überraschend anzugreifen. Bei der eingesetzten Ermittlergruppe trudelten weitere Anzeigen ein.

Als sich am 24. November 2016 an der Bundesstraße 214 kurz vor Hambühren ein Raub abspielte, löste die Einsatzzentrale Großalarm aus. Eine 49-jährige Geschäftsfrau rissen die Ganoven vom Fahrrad und schleiften sie in den Wald. Beute fanden sie kaum. Die Täter entfalteten im Dickicht ihre ganze Brutalität. Einer schlug mit einem Siegelring auf das Kinn der Frau. Sein Komplize fesselte mit dem Führstrick eines Pferdehalfters das Opfer an einen Baum, während der dritte Mann die Straße im Blick behielt.

Mit dem Handy und dem Rad ihres Opfers verschwanden die Peiniger in der Dunkelheit. Wenige Minuten später vermeldeten die Streifenwagen die Festnahme von drei Personen. Noch in der Nacht begannen die Befragungen. Ein 19-jähriger Täter gab Einblicke in das Innenleben der Bande preis, nannte Namen des Komplizen, der wenige Tage zuvor bei dem Coup am Fuhserandweg Hilfe geleistet hatte. „Wir haben keinerlei Zweifel, dass diese Aussage nicht der Wahrheit entsprach“, entgegnete Richter Subatzus.

Der Schuldspruch ist noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwältin beantragte eine Bewährungsstrafe von zweiundzwanzig Monaten, die Verteidigerin plädierte auf Freispruch. Es gebe zu viele Widersprüche, die ausgewerteten Funkzellen des sichergestellten Handys des Mandanten hätten am 12. November kein Signal aus dem Innenstadtbereich gesendet.

Von Benjamin Reimers