Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Nach Schadstofffund: Celler Katasteramt wird saniert
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Nach Schadstofffund: Celler Katasteramt wird saniert
18:04 07.06.2016
Im CellerKatasteramt wird in den nächsten zwei Jahren saniert. Für diese Zeit ziehen die Beamten in das Verwaltungs­gebäude von Barilla.  Quelle: Michael Schäfer
Celle Stadt

Den Mitarbeitern „stank“ es im wahrsten Sinne: Nach der Verlegung des neuen Fußbodens im Celler Katasteramt fiel den Angestellten ein unangenehmer Geruch auf. Also wurde eine Gutachterin beauftragt, die die Ursache für den Gestank finden sollte. Sie prüfte die Räumlichkeiten und stellte den Giftstoff Chlornaphthalin fest.

Der Vorsorge-Wert für Chlornaphthalin liegt bei 10 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, der Eingreif-Wert bei 30 Mikrogramm pro Kubikmeter. In drei Amts-Räumen wurde der Wert mit 21, 10,8 und 11,6 Mikrogramm überschritten. In zwei Räumen blieben die Messungen mit 9,4 und 3,4 Mikrogramm unter dem Vorsorge-Wert.

Vom 20. bis zum 28. Juni bleibt das Katasteramt wegen Umzuges daher geschlossen. In dringenden Fällen erteilt die Schwesterbehörde in Helmstedt unter Telefon (05351) 3930 Auskünfte und stellt gegebenenfalls benötigte Unterlagen bereit. Ab 29. Juni ist das Katasteramt Celle dann in den neuen Diensträumen an der Wasastraße 10 in Celle wieder erreichbar. Die bisherigen Telefonnummern bleiben unverändert. „Wir bedanken uns für Ihr Verständnis“, sagt Sabine Schaefer, Dezernatsleiterin beim Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN). Zwei Jahre Sanierungszeit seien Angedacht, so Schaefer. „Die Kosten lassen sich noch nicht abschätzen“, ergänzt sie.

Chlornaphthalin wurde früher in Teerkleber von Parkettböden oder in Holzschutzmitteln verwendet. In einem Gerichtsverfahren in Frankfurt am Main wurde 1993 festgestellt, dass der Stoff zusammen mit anderen Substanzen für gesundheitliche Schäden bei den Klägern verantwortlich war. Sie alle hatten dasselbe Holzschutzmittel in ihren Räumen verstrichen und litten unter Bindehautentzündungen, vielfältigen Hals-Nasen-Ohren-Störungen, Hautveränderungen, Durchfall, Unwohlsein und Kopfschmerzen. Ein Kind schwebte sogar in Lebensgefahr, wurde aber noch rechtzeitig gerettet. Die Verantwortlichen der Holzschutzmittel-Firma wurden damals zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Krank ist nach Angaben von Schaefer niemand geworden. Trotzdem wird jetzt aus Vorsorgegründen saniert. So lange werden die Mitarbeiter im ersten und zweiten Stock des Barilla-Verwaltungsgebäudes untergebracht. Dort hat man eine etwa tausend Quadratmeter große Bürofläche angemietet. Nach Gift wird es dort nicht riechen, es kann aber sein, dass den Mitarbeitern ein angenehmer Spaghetti-Duft in der Nase liegt. Alexander Hänjes

Von Alexander Hänjes