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Celle Stadt Nach der Wahl: Celler Landrat Wiswe sieht Verhältnis zu WG belastet
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Nach der Wahl: Celler Landrat Wiswe sieht Verhältnis zu WG belastet
17:39 26.05.2014
Klaus Wiswe wurde bei der Landratswahl am Sonntag als Celler Landrat bestätigt. Quelle: Benjamin Westhoff
Celle

Es war ein harter Wahlkampf von Albrecht Hoppenstedt. Der WG-Landkreis-Kandidat hatte Klaus Wiswe unter anderem vorgeworfen, ein Landrat ohne Visionen zu sein, dem Britenabzug untätig zuzusehen und die Wirtschaft zu vernachlässigen. Für besonderen Ärger in der CDU sorgte zudem eine Anzeige in der CZ, in der er Wiswe eine „15-jährige Ruhezeit” bescheinigte und schrieb, der Landrat hätte sich um die großen Herausforderungen erst gar nicht gekümmert.

Wiswe hatte bei der CZ-Podiumsdiskussion sichtlich Mühe, die Ruhe zu bewahren und war auch gestern nach seinem deutlichen Wahlsieg noch nicht milde gestimmt. „Ich sehe das Verhältnis schon belastet. Es wird jetzt darauf ankommen, wie die WG sich im Kreistag präsentiert und ob sie zu einer sachlichen Zusammenarbeit bereit ist”, so Wiswe. Er halte eine Entschuldigung bei einem solchen Verhalten für angemessen, sei aber nicht sicher, ob auf der anderen Seite Fehlverhalten erkannt werde.

Der dritte Kandidat für die Landratswahl, Gerald Sommer (Grüne), sprach angesichts der Hoppenstedt-Taktik von einer „Chaos-Koalition. Ich glaube nicht, dass das Bündnis im Kreistag hält”, so Sommer. Auch der Fraktionsvorsitzende der SPD, Maximilian Schmidt, sieht Probleme für die Mehrheitsgruppe. „Für mich wäre eine vertrauensvolle Arbeit nach so einem Wahlkampf nicht mehr möglich”, meinte Schmidt.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Joachim Müller allerdings war gestern bemüht, kein weiteres Öl ins Feuer zu gießen, schließlich hat er auch kaum eine Wahl, weil die WG zum Machterhalt gebraucht wird. „Ich will zunächst mit Herrn Hoppenstedt sprechen”, sagte Müller. Der Auftritt sei schon schwer erträglich gewesen, aber durch Gespräche könne vieles bereinigt werden. „Da gibt es allerdings Dinge, die von Menschen auch eingesehen werden müssen”, so Müller.

Ulrich Kaiser von der WG Landkreis verteidigte den Kandidaten gestern und erwartet, dass die Arbeit fortgesetzt wird. „Der Wahlkampf war scharf und der Landrat kann aus meiner Sicht auch über manche Dinge verärgert sein.” Allerdings sollte man jetzt weiter sachorientiert zusammenarbeiten und Albrecht Hoppenstedt habe nachgewiesen, dass er das als Fraktionsvorsitzender der WG-Landkreis kann, so Kaiser. Befindlichkeiten sollten zurückgestellt werden.

Er hätte sich mehr erhofft für die WG, bescheinigte aber auch Gerald Sommer (Grüne) einen sehr guten Wahlkampf gemacht zu haben. „Man hatte eher den Eindruck, dass die SPD da nicht genug mitgezogen hat”, stichelte Kaiser. Sommer und Schmidt wiesen diesen Eindruck zurück. „Das Ergebnis hängt nicht mit einem schlechten Wahlkampf, sondern vor allem mit einem starken Amtsinhaber zusammen. Ich gratuliere ihm”, sagte der SPD-Fraktionschef.

Wiswe genoss gestern seinen Sieg und wies in einer kleinen Spitze daraufhin, dass „ich in der Stadt Celle rund 57 Prozent der Stimmen und damit soviel wie noch nie geholt habe.” Er wertete das als „Beleg dafür, dass die Bürger offenbar nicht den Eindruck haben, dass der Landkreis die Stadt Celle schlecht behandelt.”

Einen weiteren Gewinner könnte diese Wahl haben. Durch das Engagement von Gerald Sommer, das auch seine eigenen Parteifreunde teilweise überraschte, hat er sich für eine eventuelle Kandidatur für den Landtag in Stellung gebracht. Sommer schloss diesen Weg nicht generell aus: „Klar würde ich meine Politik auch gerne im größeren Rahmen durchsetzen.” Mit dem Ergebnis ist er aber nicht zufrieden. „Ich hätte schon gerne die Dreißig vor dem Komma gehabt.”

Von Tore Harmening