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Celle Stadt Nach schwerem Unfall nie aufgegeben
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Nach schwerem Unfall nie aufgegeben
17:12 03.09.2013
Von Gunther Meinrenken
Benjamin Lau (links) ist im Fahrdienst des Autohauses Schmidt & Söhne beschäftigt. Geschäftsführer Robert van‘t Noordende ist mit seinem Mitarbeiter sehr zufrieden. Quelle: Alex Sorokin
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Es waren nur Sekunden, die das Leben von Benjamin Lau für immer veränderten. Im August 1998 war der damals 17-Jährige mit seinem Motorrad unterwegs, als ihn ein Auto abdrängte. Lau kam von der Straße ab, prallte gegen einen Baum. Schädelbruch, Hirnblutungen, ein Riss in der Lunge und diverse Brüche erlitt er bei dem schweren Unfall – 14 Tage lang lag der Jugendliche im Koma, elf Monate lang war er in der Reha, doch noch heute leidet der mittlerweile verheiratete zweifache Vater unter den Folgen. „Ich bin zu 50 Prozent schwerbehindert, habe immer noch Konzentrationsstörungen“, erklärt Lau.

Aufgegeben hat sich der Wathlinger nie. Eine Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher musste er zwar abbrechen, gearbeitet hat er aber immer, im Kurierdienst, in der Autopflege oder in anderen Hilfsarbeiterjobs. Nur kurz war er einmal arbeitslos.

Seit Juli hat der 32-Jährige eine Stelle mit Perspektive. Im Autohaus Schmidt & Söhne ist er im Fahrdienst tätig. Möglich wurde die Anstellung unter anderem durch das Programm zur Integration schwerbehinderter Menschen in den Arbeitsmarkt, das vom Land Niedersachsen und der Agentur für Arbeit aufgelegt wurde.

Die Arbeitsagentur will mit dem Sonderprogramm Unternehmen die Chance bieten, zur Deckung ihres Arbeitskräftebedarfs stärker das Potenzial behinderter Menschen zu nutzen. Die Dauer der Förderung ist auf sechs Monate begrenzt. In dieser Zeit ist ein Zuschuss in Höhe von 100 Prozent des üblichen Lohns und ein pauschaler Zuschuss in Höhe von 20 Prozent für die Sozialversicherungsbeiträge möglich. Das Programm läuft noch bis Jahresende. Informationen erhalten Arbeitgeber unter der Service-Hotline ☏ (05141) 961888.

Hört man Robert van’t Noordende zu, so hat man den Eindruck, der Geschäftsführer des Autohauses Schmidt & Söhne hätte Lau auch ohne Förderprogramm eingestellt. „Ich bin beeindruckt von Herrn Lau. Er hat immer versucht zu arbeiten.“ Im Fahrdienst war gerade eine Stelle frei geworden, weil ein Fahrer in Rente gegangen war. Nach einem zweiwöchigen Praktikum war für van’t Noordende klar, dass Lau den Job bekommt. „Ich habe keine Lust, mich ständig mit Praktikanten zu beschäftigen, wie es andere Firmen tun“, so die einfache Philosphie bei Schmidt & Söhne, wo insgesamt in Bergen und Celle drei weitere Schwerbehinderte eine Arbeit gefunden haben.