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Celle Stadt Nachhaltige Pflege spart Kosten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Nachhaltige Pflege spart Kosten
13:45 23.03.2017
Celle Stadt

„Ausbau eines Dachbodens zu einer Wohnung“ ist auf dem farbigen Plan zu lesen, den Rolf Dopheide an die Wand im ersten Stock gepinnt hat. Er hat sich hier in einem leerstehenden Raum vorübergehend ein Baubüro eingerichtet, denn Dopheide muss Gespräche führen, mit Handwerkern, Behördenvertretern, Planern. Der Elektriker war gerade da, nun bespricht er mit Wissner die Möglichkeiten einer effektiven Trittschalldämmung, um das Wohnen im ersten Stock auch künftig zu gewährleisten.

Dopheide musste nicht lange überlegen, das Erbe anzutreten. Natürlich: „Das war schon eine Menge Geld, die ich an Erbschaftssteuern bezahlen musste, aber das ist ja auch ein schönes Haus.“ Dopheide hat das große Fachwerkhaus, in dem jetzt die Stadtwerke ein Büro und die Boutique „Paulinas“ einen Verkaufsraum und Lagermöglichkeiten haben, vor fünf Jahren von seiner Tante Marlies Föhre geerbt.Mit dem Namen „Wäsche-Bartling“ verbindet er einiges, denn das Hauptgeschäft von mehreren Bartling-Filialen in Norddeutschland war hier. „Meine Tante war die langjährige Lebensgefährtin von Herrn Bartling.“

Dopheide weiß, dass das Haus 1576 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Über Jahre gab es dort ein Hotel. Damals habe es noch eine Luke für den Bierkeller und eine Toreinfahrt gegeben. Dieser Bereich ist jetzt der Eingang zu den Mieteinheiten. „Das Treppenhaus wurde in den 60er Jahren saniert.“ Vor dreißig Jahren wurde eine Ölzentralheizung eingebaut. Die wird voraussichtlich auf Gas umgestellt.

Vor seinen Planungen hat der neue Hauseigentümer den Monumentendienst in Oldenburg gebeten, ein Gutachten über das Haus zu fertigen, denn um Eigentümer bei der Bewahrung historischer Gebäude zu unterstützen und zu erhalten, wurde die Einrichtung gegründet. Eine fachkundige, unabhängige und objektive Beratung ist das Ziel. „Nur eine aktive Baupflege kann die historischen Gebäude langfristig schützen und damit eine vielfältig gewachsene Kultur- und Denkmallandschaft erhalten“, zitiert Dopheide aus den Grundsätzen des Monumentendienstes.

Es gelte, Schäden durch fehlerhafte Restaurierungen, Schimmel, Schädlingsbefall und undichte Dächer und den Einsatz unsachgemäßer Baumaterialien zu vermeiden. Das Motto sei kleiner Schaden, kleine Reparatur anstelle eines großen Schadens und hohen Sanierungskosten: „Durch diese bewusste nachhaltige Denkmalpflege können Ressourcen und Kosten gespart werden“, findet Dopheide, der jetzt aber erst einmal im zweiten Obergeschoss für vernünftige Deckhöhen sorgen will.

Die ganze Balkenkonstruktion des Daches muss etwa 50 Zentimeter höher gesetzt werden, also Kehlbalken höher, um Raumhöhe zu gewinnen. Neue Mittelpfetten und Pfettenstiele werden eingezogen, die Sparren beidseitig verstärkt. Fenster werden erneuert, Innenwände in Leichtbauweise errichtet. „Damit erhält der Boden einen vollkommen neuen Zuschnitt: Mit Koch- und Wohnbereich, Schlafzimmer, Badezimmer und kleinem Gästezimmer. Und das Besondere: Die Wohnung erhält eine nach Osten gewandte Loggia für die Morgensonne.“

Schön sei, dass alle Fachbereiche sehr kooperativ waren. Brandschutz, Denkmalschutz, Bauamt und Städtebauförderung, betont Dopheide. „Das war eine sehr konstruktive Zusammenarbeit. Das muss ich den Leuten im Rathaus bestätigen: Die haben alle ein großes Interesse daran, mit mir zusammen zu arbeiten.“

Seit über zwei Jahren sitzt er, ehemaliger Unternehmer für Tiefkühllachs und Reserveoffizier, nun an dem Projekt. Zwei Ladenlokale im Erdgeschoss und zwei Wohnungen im ersten Stockwerk sind jetzt schon vorhanden. Eine Dachgeschosswohnung entsteht, der andere Teil des Dachbodens ist ein weiteres Projekt für die Zukunft. Für die jetzige Maßnahme hat Dopheide einen Zeitraum von rund sechs Monaten und Ausgaben von gut 270.000 Euro geplant. „Naja, an der Fachwerkfassade muss auch was gemacht werden.“ Die alten Balken von der Dachkonstruktion will Dopheide erhalten. „Die werden mit Sand gestrahlt und anschließend vielleicht auch als Dekoelemente wieder verwendet.“

Er finde gut, dass die Stadt das Förderprogramm aufgelegt habe, meint Zimmerer Wissner, man sollte aber auch Hinterhöfe und Zwischen fördern: „Die sind sehr oft sanierungsbedürftig, aber keiner achtet darauf, weil sie meistens mit Brettern verschalt sind.“

Von Lothar H. Bluhm