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Celle Stadt Nässe schadet Kartoffeln im Celler Land
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Nässe schadet Kartoffeln im Celler Land
18:18 14.09.2017
Quelle: Michael Schäfer
Celle Stadt

"Dieses Jahr hatten wir relativ schlechte Erträge", sagt Hans-Hinrik Berkhan aus Bröckel. Auf 70 Hektar baut der Landwirt vor allem frühe Speisekartoffeln an. Der Frost im April habe da besonders "weh getan". Die Frostberegnung habe zwar das schlimmste verhindern können, "aber das ist nicht gut für die Kartoffeln", sagt Berkhan. Kraut- und Knollenfäule sei die Folge gewesen. "Das hat das Jahr schwierig gemacht."

Berkhan produziert Kartoffeln für Chips- und Pommes-Produzenten, seine Ware geht direkt in die Werke. Die Bröckeler Kartoffeln werden von Belgien bis Polen vertrieben und sind ein zentrales Standbein von Berkhans Betrieb. "Die Wertschöpfung pro Hektar ist höher als bei Getreide", begründet er die Ausrichtung auf Kartoffeln. Der Landwirt beobachtet jedoch, dass es die normale Speisekartoffel mittlerweile schwer auf deutschen Tellern hat. "Kartoffeln sind aus der Mode. Der Verzehr nimmt jedes Jahr ab", sagt Berkhan. Bei Pommes und Chips sehe das wiederum anders aus – da greifen die Konsumenten gerne zu.

Auf knapp 4500 Hektar werden im Celler Land Kartoffeln angebaut. Rund zehn Prozent der Ackerfläche nimmt die Knolle in Anspruch und landet damit auf Platz drei der Anbauprodukte hinter Getreide und Mais. "Wir haben dafür die Grundlage", sagt Martin Albers, Geschäftsführer des Celler Landvolks. "Die Kartoffel gedeiht gut auf leichten Böden. Wir sind das klassische Anbaugebiet."

Ein Teil der Kartoffeln, die Holger Dralle rund um Wohlenrode auf 53 Hektar anbaut, landet ebenfalls in der Industrie. Rund ein Drittel seiner Ernte wird zu Püree, Puffern oder Bratkartoffeln verarbeitet. Ende August hat der Landwirt mit der Ernte begonnen und zieht ein erstes Fazit: "Die Erträge sind guter Durchschnitt, das ist in Ordnung." Während sich bei Kollegen nur wenige Kilometer entfernt "ein ganz anderes Bild" zeige, sei er zufrieden. "Wir sind vom Extremwetter verschont geblieben und noch glimpflich davongekommen", sagt Dralle. Allerdings erschwere zurzeit der Regen die Ernte, die noch bis Oktober andauert: "Das Wetter ist für die Ernte nicht gut. Die Kartoffeln müssen für das Lager trocken sein."

Carsten-Wilhelm Drewes kämpft mit denselben Widrigkeiten. "Es ist ein Riesen-Problem, die Ernte reinzukriegen", sagt der Bavener Landwirt. In Senken stehe das Wasser auf den Feldern. Auf das Wetter sei in diesem Herbst kein Verlass: In den meisten Jahren gebe es im September ein stabiles Hoch, doch dieses Mal fehle der Altweibersommer, beklagt Drewes. Die vergangenen Wetterkapriolen haben seinen Kartoffeln aber offenbar nicht geschadet: "Wir haben sehr hohe Erträge."

Von Amelie Thiemann