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Celle Stadt Nazis beenden eine glückliche Kindheit
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Nazis beenden eine glückliche Kindheit
14:03 25.02.2010
Von Andreas Babel
Dorothee Heinichen im Gespräch mit Besuchern des Zeitzeugen-Gesprächs im Museumscafe des Bomann-Museums. Quelle: Andreas Babel
Celle Stadt

Die 84-jährige Dorothee Heinichen trug im Rahmen der Reihe „Erlebtes im Celler Land – Zeitzeugen erzählen“ genau eine Stunde vor. Die Reihe des Museumsvereins Celle wird vor allem von Älteren dankbar angenommen. Im Publikum saßen viele, die der Kriegsgeneration angehören. Und diese begaben sich mit der Tochter des einstigen Celler Landrats Wilhelm Heinichen auf die Reise durch die Vergangenheit, die Mitte der 20er-Jahre begann.

Dorothee Heinichen wuchs behütet an der Trift auf. Hier spielte sie mit vielen Nachbarskindern im großen Park, kletterte auf die mächtige Buche und schlidderte auf dem zugefrorenen Magnusgraben bis zum Allerhafen. Wenn sie heute an ihrem Elternhaus vorbei kommt, hält sie inne und spricht mit dem Gebäude, das die Landkreisverwaltung heute für repräsentative Zwecke nutzt. Während sie das erzählt, leuchten ihre Augen und sie lächelt glückselig.

„Wir konnten uns die Zeit nicht aussuchen. Wir sind hineingeboren worden in die Zeit des Nationalsozialismus“, sagte die Pädagogin eingangs. Dieses System beeinflusste ihr weiteres Leben ungeheuerlich. Während ihre Mutter sich die Ohren bei Hitler-Reden zuhielt, hörte die aufgeweckte Schülerin genau hin. So hat sie noch eine lebhafte Erinnerung an den Wahlsonntag im Jahr 1932: Sie bekam ein Gespräch zweier Erwachsener mit. Es lautete in etwa so: „Ich glaube, die Tante Thea hat den Schmalz-Adolf gewählt.“ Darauf der andere: „Hitler zu wählen bedeutet Krieg.“ Und den könne man gegen die Amerikaner nicht gewinnen.

In der Schule schafften die Nazis den Religionsunterricht ab, im Sportunterricht wurden halsbrecherische Dinge verlangt und die englische Sprache wurde „mal so für zwei Jahre abgeschafft und kurz vor dem Abitur wieder eingeführt“. Dafür, dass sie einen Lehrer auf der Straße nicht mit „Heil Hitler“ begrüßt habe, sei ihr ein Tadel ins Klassenbuch eingetragen worden. Ihr Mitwirken in der Kantorei musste sie einstellen, um das Abitur ablegen zu können.

Durch die Kriegsverpflichtung im Celler Kinderhospital wurde sie mit dem großen Leid der Zeit konfrontiert. Sie saß als Nachtschwester am Totenbett einer geflohenen KZ-Gefangenen, half mit, eine weitere Jüdin in der Besenkammer des Kinderhospitals zu verstecken und pflegte als 21-Jährige nach dem Krieg im KZ Bergen-Belsen Geschundene.