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Celle Stadt Nehmen und geben: Celler Bücher-Boxen bei Leseratten beliebt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Nehmen und geben: Celler Bücher-Boxen bei Leseratten beliebt
17:00 08.08.2017
Quelle: Erik Habermann
Celle Stadt

Wir haben uns auf die Suche nach Nutzern dieser Bücherschränke gemacht und sind auf dem Kleinen Plan und an der Bahnhofstraße fündig geworden. Ralf Meyer aus Oldenburg beispielsweise pflasterte kürzlich seine Terrasse mit Hilfe eines BücherBox-Buches zu diesem Thema und war vom Konzept der frei verfügbaren Literatur so überzeugt, dass er selbst einen Bücherschrank in Oldenburg initiierte. Der Ingenieur bezieht mittlerweile ein Drittel seiner Fachliteratur aus den freien Buchbeständen und findet dort zusammen mit seiner Frau Gabriele und seinen beiden Kindern regelmäßig Interessantes und Nützliches.

Nachdem die 2012 aufgestellte Bücher-Box am Schlossplatz im November 2013 von Unbekannten angezündet wurde, stellte die Bürgerstiftung Celle nach mehrfacher Anfrage von Lesern drei neue im Stadtgebiet auf. In Zusammenarbeit mit Auszubildenden der BBS II wurde aus drei verfügbaren Entwürfen einer ausgewählt und von den Lehrlingen produziert. Tausende Bücher werden seither wieder von Hand zu Hand gegeben und wandern zu Lesern wie Jutta Hantzko, die abends gern liest, bis ihre „Augen nicht mehr können“, wie sie sagt.

Die meisten Nutzer beschränken sich nicht nur auf eine bestimmte Anlaufstelle, sondern suchen in allen erreichbaren Bücherschränken nach noch unbekannten Werken. Karina Geisler liest am liebsten skandinavische Krimis und findet das kostenlose Entleihen vor allem für das einmalige Lesen sehr gut. Die Leser klagen über die Unscheinbarkeit der Bücherschränke und die teilweise schlechten Parkmöglichkeiten vor Ort. Gerade in der Bahnhofstraße läge der Bücherschrank versteckt, sagen einige der Befragten.

Neu-Celler Khowaja Shamsullah Sidiqi, der vor 18 Monaten aus Afghanistan in die Stadt kam, nutzt am liebsten Kinderbücher aus den Boxen, um Deutsch zu lernen und bald seine Ausbildung zum informationstechnischen Assistenten beginnen zu können.

Das Konzept der Boxen ist einfach: Jeder hat die Möglichkeit an einer der inzwischen fünf Bücherschränke (neben den beiden innerstädtischen auch an der Neuenhäuser Kirche, am Westmarkt in Klein Hehlen und an den BBS II) in Celle zu stöbern und sich das Buch, welches von Interesse ist, einfach mit zu nehmen oder selbst ein paar Exemplare hinzuzufügen. Nach der Lektüre wird das Buch für andere Leseratten wieder zurückgestellt – oder auch nicht. Ausgelesene Bücher, die zu Hause nur Platz wegnehmen und Staub anziehen, können hinzugefügt werden und in andere Hände weiterwandern.

Leider laden die frei zugänglichen Boxen auch zu Vandalismus ein. Vom Beschmieren und Bekleben bis hin zum Beschädigen ist alles dabei. Sarah Herrmann aus Celle findet die kostenlosen Archive „klasse, wenn sie heil gelassen werden“. Sie selbst hat schon gesehen, wie Jugendliche Bücher herausnahmen, diese zerrissen und jubelnd in die Luft warfen. Völlig unverständlich sei ihr, wie man ein solch großzügiges Angebot mutwillig zerstören könne.

Jeder der Befragten hat selbst schon einmal oder bereits mehrfach Bücher dazu gestellt und anderen zu mehr Lesestoff verholfen. Eigentlich gibt Thomas Hacker gelesene Bücher nicht gerne her. Jetzt stellt er für jedes neu gekaufte Buch ein altes zur Verfügung und verhilft anderen Lesern so vielleicht zu ihrem ganz persönlichen Schatz. Einen solchen fand Susanne Rodekohr in Form des Hörbuches „Der erste Lehrer“. Getreu einem Zitat Walt Disneys: „Es gibt mehr Schätze in Büchern als Piratenbeute auf der Schatzinsel. Und das Beste ist, du kannst diesen Reichtum jeden Tag deines Lebens genießen“ – und das kostenlos.

Von Stefan Zutz