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Celle Stadt Neubau an Kirchstraße: "Ein bisschen Wien in Neuenhäusen"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Neubau an Kirchstraße: "Ein bisschen Wien in Neuenhäusen"
16:03 23.06.2017
Von Dagny Siebke
Sie weihten zusammen den Neubau an der Kirchstraße ein (von links): Wolfram Klement, Hans-Werner Teuteberg, Carsten Bräumer, Jürgen Staas und Juliane Simon. Quelle: David Borghoff
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NEUENHÄUSEN. René Hirschmann und Kevin Misera aus Lobetal in Altencelle haben Großes vor. Am 17. Juli ziehen sie in ihre neue Wohnung an der Kirchstraße. "Hier haben wir zusammen eine Küche für uns", freut sich Misera als gelernter Beikoch. Das Sofa, der Wohnzimmertisch und die Stereoanlage stehen schon. "Nach dem Umzug habe ich es nicht mehr so weit zur Arbeit", erzählt Hirschmann, der direkt gegenüber in der Friedhofsgärtnerei arbeitet.

Hirschmann und Misera sind zwei von 18 Bewohnern, die aus Wohnheimen am Stadtrand mitten in die Celler Innenstadt ziehen. Außerdem werden sie mit drei Wohnparteien unter einem Dach leben, die nicht aus Lobetal kommen. Dieses Modellprojekt für Inklusion wird mit einer Million Euro vom Land, mit 104.000 Euro von der Aktion Mensch und mit 150.000 Euro vom Diakonischen Werk gefördert.

Dort, wo früher das Pfarrhaus der Kirchengemeinde Neuenhäusen stand, wurde gestern der Neubau offiziell eingeweiht. Pastor Carsten Bräumer sprach von einem besonderen Tag für die Lobetalarbeit. "Nun haben wir ein bisschen Wien in Celle", betonte er. Denn in der österreichischen Hauptstadt habe man in den 1980er Jahren die Grundsatzentscheidung getroffen, alle Heime für Behinderte aufzulösen und die Bewohner mitten in der Stadt in städtischen Wohnungen unterzubringen. Bräumer las zudem aus seinem alten Gesangbuch vor: "Wenn wir wie Brüder beieinander wohnten, Gebeugte stärkten und die Schwachen schonten, dann würden wir den letzten heiligen Willen des Herrn erfüllen."

Auch Kirchenvorstand Wilfried Brandes und Neuenhäusens Ortsbürgermeister Jörg Rodenwaldt hießen die neuen Nachbarn willkommen. "Bringen Sie sich ein und sorgen Sie für neue Lebendigkeit in unserem Stadtteil", forderte Rodenwaldt.

Innerhalb von 15 Monaten wurde der Neubau errichtet, der an den Stil der benachbarten Bauten von Otto Haesler erinnert. Insgesamt beliefen sich die Gesamtkosten auf 3,2 Millionen Euro.