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Celle Stadt Neue Akzente im Musiktheater gesetzt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Neue Akzente im Musiktheater gesetzt
12:57 28.11.2017
Celle Stadt

Zum Zeitpunkt der Uraufführung vor fast genau 30 Jahren war dieses Stück in seiner Art neu und ein ästhetischer Sprengsatz. Und im Grunde ist das bis heute so geblieben, auch wenn die Formenwelt des Musiktheaters inzwischen riesig geworden ist. Nichtsdestotrotz ist das Konzept dieses Stückes nach wie vor einzigartig geblieben in seiner Radikalität und Konsequentheit einerseits, in seiner geistigen Leichtigkeit und seinem durch ironische Brechungen geprägten Humor andererseits.

Da stehen lauter Sänger auf der Bühne, die im falschen Kostüm die falschen Texte gleichzeitig mit falschen Bewegungen bekannte Passagen aus allerlei Opern singen. Und die Musiker spielen Orchesterstimmen aus 40 verschiedenen Opern. Das alles ist genau so gewollt und so konzipiert, dass der Abend durch Zufälle und subjektiven Entscheidungen jedes Mitwirkenden jedes Mal anders gelenkt wird, als das an den anderen Tagen der Aufführung dieses Stückes der Fall war. Somit wird jede Aufführung anders. Es erklingt ganz vieles gleichzeitig. Und das auch ohne Bezugnahme aufeinander. Der Hörer muss selbst entscheiden, wo er gerade zuhören will.

Die Braunschweiger Aufführung erweitert diesen Ansatz noch, indem hier auf der Bühne gleichzeitig eine Unmenge von Dingen passieren, die gar nicht alle wahrzunehmen sind. Cage hatte das in der Uraufführung sehr konzentriert und durch Humor aufgelockert, hier wurde es eher humorreduziert ausgeweitet. Da treten die verrücktesten Tierfiguren und Opernrequisiten und Bühnenbildteile in Kommunikation miteinander und werden zusätzlich noch mit Projektionen überlagert, die Bezug nehmen auf die vielen Opern, auf die Cage anspielt.

Das Stück heißt nicht von ungefähr „Europeras“: Es geht um ein wesentliches Kulturgut Europas, eben um „unsere Opern“, auf englisch „your operas“. Regisseurin Isabel Ostermann hat Cages „Europeras I“ vielleicht etwas zu ernst genommen und das Ganze mit zu wenig Humor und Ironie abgefedert. Trotzdem war dieser Abend eine faszinierende Arbeit, wenngleich eine mit einigen Längen im ersten Teil.

„Europeras II“ nach der Pause funktionierte besser. Eine in jeder Hinsicht einzigartige Aufführung für Kenner und Liebhaber.

Von Reinald Hanke