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Celle Stadt Neue Briefmarken würdigen Karl Drais und Norddeutschen Bund
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Neue Briefmarken würdigen Karl Drais und Norddeutschen Bund
09:38 03.07.2017
Celle

Motiv: „Laufmaschine des Karl Drais, die als Fahrrad ihren Schatten vorauswirft“

Am 12. Juni 1817 fuhr Karl Freiherr von Drais (1785 – 1851) das erste Mal auf seiner höl-zernen Laufmaschine durch Mannheim. Es war ein ungewöhnliches Bild: Durch kräftiges und gleichmäßiges Abstoßen der Füße bewegte und balancierte der Erfinder und Ober-forstrat das „Ur-Fahrrad“ am Schloss vorbei und die gepflasterte Chaussee entlang. Was da so scheinbar unspektakulär vor nunmehr 200 Jahren Richtung Schwetzingen und zurück rollte, liefert bis heute Antworten auf aktuelle Herausforderungen: Es ist energieeffizient und emissionsfrei, es wirkt dem Verkehrsinfarkt entgegen und fördert die Gesundheit. Im 20. Jahrhundert machte das Fahrrad als Sport-, Fitness- und Freizeitgerät Karriere – vom Rennrad übers Mountainbike bis hin zum Pedelec mit zuschaltbarer Motorunterstützung. Karl Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn wurde als Sohn eines badischen Hofrichters in Karlsruhe geboren. Er absolvierte eine Ausbildung im Forstdienst und schrieb sich für Mathematik, Physik und Baukunst an der Universität Heidelberg ein. 1810 stellte ihn sein Pate, Großherzog Karl Friedrich von Baden, bei vollen Bezügen vom Dienst als Forstwirt frei, damit er seiner Tätigkeit als Erfinder nachgehen konnte. Während der badischen Revolution von 1849 legte er seinen Adelstitel nieder und wollte nur noch Bürger Karl Drais genannt werden. Nach der Niederschlagung des Aufstands wurde ihm seine Pension entzogen, so dass er 1851 verarmt in Karlsruhe starb.

Bis heute gilt Drais als Erfinder des weltweit erfolgreichsten Fortbewegungsmittels. Selbst im „Autoland“ Deutschland stehen 45,1 Millionen Pkw geschätzt 81 Millionen Fahrräder gegenüber. Die Drais-Städte Mannheim und Karlsruhe feiern den 200. Geburtstag des Pioniers mit einem mehrmonatigen Festprogramm. Mannheim zelebriert das Jubiläumsjahr unter der Dachmarke „Monnem Bike – wo alles begann“. Unter dem Motto „Ganz schön Drais“ lädt Karlsruhe zu verschiedenen Aktionen ein, deren Schwerpunkt das Festwochenende „RADiale“ vom 25. bis 28. Mai 2017 bildet.

Sonderpostwertzeichen: „150 Jahre Norddeutscher Bund“

Motiv: „Siegel mit den Wappen der Mitgliedsstaaten“

Der preußische Ministerpräsident und spätere Reichsgründer Otto von Bismarck führte maßgeblich Regie: Mit der Gründung des Norddeutschen Bundes, dessen Verfassung im Juli 1867 in Kraft trat, entstand erstmals ein föderalistischer Bundesstaat unter preußischer Führung. Zuvor war Österreich – nach seiner militärischen Niederlage 1866 – aus der Ge-staltung der deutschen Politik ausgeschieden. Bismarck legte den Norddeutschen Bund als Provisorium an, da die abwartende Haltung der süddeutschen Staaten, aber auch der Widerstand Frankreichs zunächst noch den Weg zu einem deutschen Nationalstaat versperrte. Insofern ist der Norddeutsche Bund eine wichtige Zwischenstufe zur Reichsgründung 1871.

Nach dem Sieg Preußens im Deutschen Krieg 1866 musste Österreich die Neuordnung der Verhältnisse in Deutschland hinnehmen. An die Stelle des 1815 gegründeten Deutschen Bundes, in dem Österreich in beständiger Rivalität zu Preußen Hegemonial-macht gewesen war, trat der Norddeutsche Bund. Damit war der Weg frei für die Neugestaltung Deutschlands. Der Norddeutsche Bund umfasste die 22 nördlich der Mainlinie liegenden deutschen Mittel- und Kleinstaaten sowie die Freien Städte Hamburg, Bremen und Lübeck mit insgesamt etwa 30 Millionen Einwohnern.

Bismarck baute hinsichtlich des Beitritts der süddeutschen Länder auf die Anziehungskraft der liberalen Bundesverfassung. Sie gestand den Vertretern der Einzelstaaten im Bundesrat gewisse politische Gestaltungsmöglichkeiten zu, etwa bei der Gesetzgebung. Damit gelang es Bismarck, die öffentliche Meinung in Deutschland für eine nationale Vereinigung zu gewinnen, auch wenn sie von oben verordnet war und unter preußischer Führung vonstattenging. Hatten die Liberalen als prägende politische Kraft den konservativen Ministerpräsidenten bislang scharf bekämpft, so machten sie nun angesichts der Fortschritte bei der nationalen Einigung ihren Frieden mit Bismarck – eine nicht unerhebliche Voraussetzung für die Reichsgründung 1871.

Sonderpostwertzeichen-Serie: „Mikrowelten“ Thema: „Menschliches Haar“ und „Vi-tamin C“

Motive: „Menschliches Haar, 250-fach vergrößert“ (70 Cent) und „Vitamin C“, 40-fach ver-größert (85 Cent)

Im Grenzbereich zwischen Wissenschaftsfotografie und künstlerischer Visualisierung be-wegt sich seit vielen Jahren Prof. Manfred P. Kage, der Pionier der Mikrofotografie. Ende der 1960er Jahre prägte er für sein Metier den Begriff „Science Art“. Zwar kennen wir alle das menschliche Haar durch eigene Anschauung, aber in 250facher Vergrößerung er-scheint es in ganz neuem Licht. Beim allseits bekannten Vitamin C, das als Mikrofotografie durch ungewöhnliche Farbenspiele fasziniert, liegt der Überraschungseffekt für den Laien vielleicht eher darin, dass es überhaupt konkret sichtbar gemacht werden kann. Die „Serie Mikrowelten“ lotet den ästhetischen Reiz mikroskopisch kleiner Strukturen aus.

Die äußere Schicht des Haares bildet eine Schuppenschicht (Kuticula) aus tannenzapfenförmigen, flachen Hornzellen. Die Kuticula umhüllt die Cortex (Rinde), die rund 80 Prozent des Haaranteils ausmacht. Aber wie dick ist es denn nun, das menschliche Haar? Die Frage lässt sich gar nicht so leicht beantworten, da die Haardicke genetisch bedingt ist und nach Herkunft variiert. Ein europides Haar ist 0,05 bis 0,07 Millimeter dick, dunkles asiatisches Haar im Vergleich dazu deutlich dicker. Der Durchschnitt in Asien liegt zwischen 0,08 und 0,12 Millimeter.

Vitamin C ist der „Promi“ unter den Vitaminen. Seine Wirkkraft entfaltet es etwa zur Unter-stützung des Immunsystems – als Vorbeugung etwa gegen Erkältungen – und im Kampf gegen die sogenannten freien Radikalen, die auch mit der Entstehung von Krebs in Zu-sammenhang gebracht werden. Ascorbinsäure, wie Vitamin C auch genannt wird, leistet einen wichtigen Beitrag zum Zellschutz. Der Körper kann Ascorbinsäure nicht selbst her-stellen, weshalb sie über die Nahrung aufgenommen werden muss. Vitamin C steckt vor allem in Zitrusfrüchten, Obst und frischem Gemüse. Die Deutsche Gesellschaft für Ernäh-rung (DGE) empfiehlt eine tägliche Zufuhr von 110 Milligramm Vitamin C für Männer und 95 Milligramm für Frauen. Zur Deckung des Tagesbedarfs reichen schon zwei Orangen.

Von Edgar Schröder