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Celle Stadt Neue Demenz-WG in Celle: Mitbewohner gesucht
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Neue Demenz-WG in Celle: Mitbewohner gesucht
17:45 27.10.2016
Hier steht eine Bildunterschrift Quelle: Michael Schäfer
Celle Stadt

Jeden Tag erzählt sie ihrem Ehemann, wie seine Kinder heißen. An schlechten Tagen erkennt er selbst seine Ehefrau nicht mehr. Und manchmal verlässt er die Wohnung, um Brötchen zu kaufen, und findet den Weg nach Hause nicht mehr zurück. Der Alltag für Angehörige von Demenzkranken kann sehr fordernd sein. "Es ist sehr schwer für Angehörige, gerade die Ehepartner. Neben der Pflege sind sie bemüht, ihren eigenen Tag zu meistern", erklärt Mareile Tomaszewski, die seit August an der Clemens-Cassel-Straße die erste Wohngemeinschaft für Demenzkranke in der Stadt Celle betreibt.

"Im Gegensatz zum Heim haben wir mehr Zeit für unsere Bewohner und können hier individuell auf jeden eingehen", betont Tomaszewski. In der Wohngemeinschaft ist Platz für fünf Bewohner. Jeder hat sein Zimmer mit eigenen Möbeln, um das bisher gewohnte häusliche Umfeld zu erhalten. Zusätzlich können drei Tagesgäste aufgenommen werden – stundenweise oder den ganzen Tag, auch am Wochenende. "Wer jemanden pflegt, will auch mal einen freien Tag haben."

Neben Frühstück, Mittag und Nachmittagskaffee in familiärer Atmosphäre, können die Demenzkranken ein Schläfchen machen und sich am Tagesprogramm mit Basteln, Spielen, Singen oder Vorlesen beteiligen.

Wie in einer Familie teilen sich die Bewohner die Aufgaben, soweit sie diese noch verrichten können. Dazu gehören einkaufen, kochen, putzen, Wäsche waschen und bügeln. "Keiner muss, aber jeder darf", erklärt Tomaszewski. "Jeder hat auch das Recht, sich verwöhnen zu lassen." Aus Erfahrung weiß sie aber, dass viele Bewohner anpacken wollen – beim Teigrühren oder beim Gemüseschnippeln. "Dabei haben sie das Gefühl, dass sie noch zu etwas nütze sind."

Dabei soll die Alltagskompetenz erhalten werden. "Die Bewohner lieben es, einen Kuchen zu backen", verrät eine der drei Betreuerinnen. "Dabei kommen viele alte Erinnerungen hoch. Die Bewohner erzählen sich viele Geschichten über die Nachkriegszeit." Außerdem schildert die Alltagsbegleiterin: "Auch wenn sie sich jeden Tag wortgleich dasselbe erzählen, belastet sie das nicht." Es gebe nur wenige Momente, in denen die Betroffenen geistig noch voll da seien. "Doch bei meiner Arbeit bekomme ich viel zurück: Einen Händedruck, ein Lächeln oder ein 'Schön, dass du da bist.'"

Demenz-Erkrankungen verlaufen nicht immer gleich. Manchmal verschlechtert sich der Zustand innerhalb von Wochen, doch manche Betroffene können noch viele Jahre bei guter Lebensqualität verbringen. Aber auch Stimmungsschwankungen oder Aggressivität können auftreten. Tomaszewski sagt: "Bei einem Probetag gucken wir, ob die neue Person zur WG passt. Es ist wichtig, dass sich die Bewohner untereinander verstehen." Dagny Rößler

Mehr Infos unter Telefon (05141) 2198588 oder www.sonnenschein-wgs.de

Von Dagny Rößler