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Celle Stadt Neue Hürden für Celler Werbe-Reiter
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Neue Hürden für Celler Werbe-Reiter
14:42 08.12.2017
Von Michael Ende
Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Mit einer modernisieren Neuauflage der Gestaltungssatzung für die Innenstadt, die den Rahmen für das Erscheinungsbild der City vorgeben soll, will die Stadt unter anderem die Werbe-Reiter an die Kandare nehmen. „Natürlich ist es im Interesse der Gewerbetreibenden, möglichst viel Werbung für ihre Produkte zu machen und damit die Konkurrenz zu übertrumpfen. Eine so ausgelöste Werbeschlacht ist für das Denkmalensemble der Celler Altstadt nicht wünschenswert, da es den historischen Charakter der Altstadt deutlich stört“, heißt es im Entwurf der neuen Satzung, der derzeit im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung bis zum 19. Januar zur Einsicht im Neuen Rathaus ausliegt. Alternativ können Bürger den Entwurf auch im Internet einsehen: www.celle.de/bauleitplanverfahren.

Um die Masse der „Kundenstopper“ einzugrenzen und qualitätvoll gestaltete Tafeln weiterhin zu ermöglichen, sollten künftig Werbe-Reiter nur dann zulässig sein, wenn sie eine Holztafel mit von maximal 80 Zentimetern Breite und 1,20 Meter Höhe sowie von Hand beschriftet seien.

„Der Entwurf der Gestaltungssatzung wird ja aktuell noch diskutiert. Er ist noch relativ restriktiv gehalten, lässt aber – ganz in meinem Sinne – bereits Ausnahmen zu“, so Oberbürgermeister Jörg Nigge (CDU). Dass die Stadt in jüngster Zeit flexibler geworden sei, sei mittlerweile überall im Innenstadtbild sichtbar- etwa auf dem Großen Plan, mit seinem jetzt eingewinterten „Olivenhain“ oder in der Bergstraße, wo man es sich auf stilvoller Außenmöblierung gemütlich machen kann. Nigge: „Wir können das Konzept in Zukunft stetig weiter entwickeln und zeitgemäßer gestalten – trotz der Vorgaben, die uns als historische Fachwerkstadt in die Wiege gelegt wurden und die natürlich auch wichtig und notwendig sind.“

Bei aller Besinnung auf das Fachwerk-Erbe sollen laut Verwaltung in der Altstadt künftig auch moderne Neubauten, die sich ins Gesamt-Ensemble einfügen, zulässig sein. Der Grundsatz, dass alle Neubauten in Fachwerk ausgeführt werden müssen, soll über Bord geworfen werden. Auch in der bisher „heiligen“ Dachlandschaft sollen moderne Elemente wie etwa Solaranlagen unter Umständen erlaubt sein.

Die Abkehr von der „Nichts-außer-Fachwerk“-Regel dürfte noch für Diskussionen sorgen. Die AfD-Stadtratsfraktion hat bereits den Antrag gestellt, die bisherige Vorgabe der grundsätzlichen Fachwerkbauweise auch für Neubauten in der Innenstadt beizubehalten. AfD-Ratsherr Daniel Biermann hält die neue Freiheit für einen Irrweg: „Damit wäre eine Vielzahl von Fassadengestaltungen in der Altstadt möglich. Hierbei handelt es sich um eine ganz bewusste Abkehr von der für Celle seit jeher typischen Fachwerkbauweise seitens der Stadtverwaltung.“ Diese möchte nicht mehr historisierend bauen lassen, wie Stadtbaurat Ulrich Kinder erklärt hat. Biermann: „Die AfD kann nicht nachvollziehen, wie man seitens der Verwaltung Celles wertvollsten Schatz, das wohl größte zusammenhängende Fachwerkensemble Europas in der Innenstadt, preisgeben kann, anstatt diesen unbedingt zu bewahren und auszubauen.“