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Celle Stadt Neue Schürzen, alte Mechanismen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Neue Schürzen, alte Mechanismen
14:53 16.08.2010
AUSSTELLUNG: BBK Celle, Frauenleben Kunstwerk von Inge Frisius Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Ausgangspunkt für die Schau im Untergeschoss des Bomann-Museums sei die Ausstellung „Mächtig verlockend – Frauen der Welfen“ im Residenzmuseum im Celler Schloss gewesen, die „Satellitenausstellungen“ nach sich zog. Eine davon war die Ausstellung „Leben Lieben Leiden“ des Kunstvereins Celle, wie Thilo Liebscher, der stellvertretende Vorsitzende bemerkte. Mit „Frauenleben“ wurde der „wundervolle Dreiklang vollendet“. Suche man nach Assoziationen zum Frauenleben bei Google, finde man über 100000 Einträge, so Liebscher, der in seiner Einführungsrede zu dem Schluss kommt, „dass alle menschlichen Eigenschaften sowohl Männer wie Frauen haben“. Auf die sich selbst gestellte Frage, ob es eine spezifische weibliche Kunst gibt, meint er, in der hier gezeigten Ausstellung solle die Polarisierung dieser Debatte aufgehoben werden. Man könnte es auch anders sehen: auffallend in der Schau sind Themen wie der weibliche Körper, Geburt und Sexualität, das ironische oder sich neu positionieren wollende Andocken an das Moment Haushalt, das Verweisen auf die „neue“ Schürze oder alte Mechanismen. In der Installation „Nähwagen 1938-2001“ von Friederike Witt-Schiedung greifen Sexualität, Mutterschaft und Frauenrolle ineinander. Nicht Entrückung oder distanzierte Haltung stehen in der Ausstellung im Vordergrund, sondern eher eine gütige Rückbesinnung auf das mütterlich Warme. Vielleicht eine Art Hommage?

Dagegen kommt der ironische Umgang, das Spiel mit Attributen wie Lockenwicklern oder der entlarvende Blick auf Barbie, der kritische Ansatz wie die Beschneidung junger Mädchen in anderen Kulturen oder die intellektuelle Frage nach dem Ich und dem Anderen aus der Ecke der männlichen Teilnehmer wie Lutz Wiedemann (Vorsitzender des BBK Celle), Gerd Roland Hunold oder Jens Hemme.

Es scheint, als wäre die Bewusstwerdung dessen, was Frau ist und immer schon war Thema, das Anderssein als Gegensatz, dessen Aufhebung nie ganz gelingen kann und sicher gar nicht soll. Auch fällt auf, dass intellektuelle Fragen, rationale oder aufschreiende politische Situationen ebenso wie kühle durchkalkulierte ästhetische Dimensionen kaum existieren. Gibt es also doch die weibliche Kunst? Frauenporträts (Inge Frisius) lassen Emotionen ablesen. Variationen der „Bevölkerungsexplosion“ von Hildegard Mahn wirken wie die aktuellen Auswüchse der archaisch gebärenden Urmutter. Besonders an die Nieren gehen die Arbeiten von Ilona Goertz. Leid und Stärke des Weiblichen sind hier ganz ausdrücklich ein schöpferischer Kontrapunkt. Einen darstellend weiblichen Akzent setzte Mariela Durand Huaman aus Peru mit ihrer Tanzperformance.

●Öffnungszeiten: Die Ausstellung ist zu sehen im Bomann-Museum, Schlossplatz 7, bis zum 18. September, dienstags bis sonntags, 10 bis 17 Uhr.

Von Aneka Schult