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Celle Stadt Neue Straße in Celle wird zur Gedicht-Meile
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Neue Straße in Celle wird zur Gedicht-Meile
07:24 17.07.2014
Maria del Sol Mar Hernandez aus Mexiko trägt ein mexikanisches Gedicht auf Spanisch vor. Quelle: Benjamin Westhoff
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Auf Hockern, Stühlen, kleinen Bänken oder einer Leiter: Mehr als 200 Schüler aus 13 Schulen aus dem Celler Landkreis haben gestern Nachmittag an zig Stationen entlang der Neuen Straße Gedichte vorgetragen und Lieder gesungen. Alles ganz freiwillig und ohne Notendruck.

Viele hatten ihre Vorträge selbst verfasst, doch auch alte Klassiker wie Theodor Fontanes wohl bekannteste Ballade "John Maynard", der "Erlkönig" von Johann Wolfgang von Goethe und "Ein Jüngling liebt ein Mädchen" von Heinrich Heine durften nicht fehlen. Überraschend viele der jungen Künstler trugen die Werke nicht nur auf Deutsch, sondern auch in Fremdsprachen vor. "Manche Gedichte, die in Deutschland noch nicht so bekannt sind, verdienen es einfach hier Gehör zu finden, auch wenn sie nicht jeder versteht", sagte Kristel Boeijink, die sowohl das Gedicht "Denken" von Toon Hermans auf Niederländisch, als auch das Werk "Invictus" von William Ernest Henley auf Englisch präsentierte.

Von den Schülern der zweiten Klasse der Altstädter Schule, die mit Tiermasken verkleidet waren, kam das Gedicht "Der Sperling und die Schulhofkinder". "Es ist eine tolle Gelegenheit für die Kleinen, mal außerhalb der Weihnachtszeit Gedichte vorzutragen", sagte Lehrerin Janina Drüphake. Schulsozialarbeiterin Andrea Jakob ergänzte: "Es ist nicht ohne für die Kinder, vor Fremden etwas vorzutragen. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein aber ungemein."

Herbert Günther, der als Autor im Rahmen der Jugendbuchwoche in Celler Schulen Lesungen abhält, war begeistert: "Die Schüler werden ermutigt, sich durch die Lyrik zu ihren eigenen Gedanken und Vorstellungen, die sie in den Werken zum Ausdruck bringen, zu bekennen."

Die Vortragenden erhielten nicht nur Applaus von den spontan stehengebliebenden Passanten. Uwe Winnacker, Lehrer am Ernestinum, hatte sich zusammen mit fünf Schülerinnen extra in Hut und Schale geworfen und rief – gefolgt von einer Verbeugung – nach jedem Vortrag: "Hut ab...Für die Poesie."

Von Kai Knoche