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Celle Stadt Neue Zeitreisen im Bomann-Museum
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Neue Zeitreisen im Bomann-Museum
13:52 11.12.2011
Von Michael Ende
Einweihung erster Abschnitt Umgestaltung Dauerausstellung Bomann-Museum Quelle: Peter M¸ller
Celle Stadt

CELLE. Wer im Celler Land lebt und sich auch nur im Entferntesten für seine Wurzeln interessiert, der sollte jetzt seinen Terminkalender zücken, sich ein Datum heraussuchen, an dem er einige Stunden Zeit hat und dann dick und rot eintragen: "Bomann-Museum. Neue Daueraustellung." Ein Besuch der neu gestalteten Austellungsräume ist einfach ein Muss. Das Team um Museums-Direktor Jochen Meinert demonstriert hier beispielhaft, wie man heute Geschichte und Geschichten im Museum nicht einfach präsentiert, sondern erlebbar macht.

Man habe den ursprünglichen Ansatz von Museumsgründer Wilhelm Bomann von 1907 aufgegriffen und mit modernen Hilfsmitteln weiterentwickelt, so Meiners am Sonnabend bei der Eröffnung der neuen Räume. So zeige man nun zum Beispiel auch das Umfeld des alten Bauernhauses und der Menschen, die in ihm lebten: "Wir sind im besten Sinne ein heimatkundliches Museum."

Knapp 700.000 Euro habe man bis jetzt in die Modernisierung gesteckt, sagte Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende. Insgesamt werde man für die Modernisierung des Museums, die im nächsten Jahr fortgesetzt werde, 3,5 Millionen Euro, die sich unter anderem aus EU-Mitteln und Sponsoren-Geldern zusammensetzten, ausgeben. "Um die Celler Museumslandschaft zu erhalten, werden wir auch künftig Geld ausgeben", so Mende. Dieses Geld sei gut angelegt, sagte Meiners: "Ein funktionierendes Museum bringt sogar Geld in die Kasse."

Insgesamt gelte es 3000 Quadratmeter Austellungsfläche neu zu gestalten, erläuterte Erste Stadträtin Susanne Schmitt: "Im Herbst 2013 wollen wir mit allem fertig sein - darauf freue ich mich schon. Wir werden mit großen Schritten voran schreiten."

Lieber kleine Schritte sollte man in den neuen Ausstellungsteilen machen, damit man nichts verpasst. Mit einem Wechsel von inszenierten Wohnräumen und Informationsbereichen öffnet das Museum unter dem Motto "Herd und Heim – Bildung und Verein" ein Fenster in die widersprüchliche Epoche des Biedermeier zwischen Restauration und Revolution. Wenn die Besucher durch den eingerichteten Salon, die Küche oder die Schlafkammer gehen, erhalten sie einen Eindruck vom privaten Leben der Bürger. Anschauliche Biographien versetzen sie in die familiären Verhältnisse von Celler Kaufleuten, Bürgermeistern und Handwerkern. Die Arbeitsbeding­ungen von Dienstboten und von Kindern in Fabriken zeigen aber auch die Schattenseiten des bürgerlichen Lebensstandards. Das neue Jahrhundert bringt einschneidende Veränderungen für die Lebenswelten des Celler Bürgertums. Beispielhaft hierfür stehen die „Revolutionen im Haushalt“ am Ende dieses Rundgangs.

Der zweite neue Rundgang trägt den Titel "Heide - Honig - Hightech: Eine Region im Wandel".Die Landwirtschaft prägt das Bild der Landschaft, der Siedlungen und ihrer Bewohner – bis in die Gegenwart. Vorstellungen von einem idyllischen Landleben bestimmen bis heute das Bild vom Bauern. Die Realität besteht jedoch bis ins 19. Jahrhundert hinein aus schwerer körperlicher Arbeit und der Abhängigkeit von verschiedenen Dienstherren. Mit dem steigenden Wohlstand halten städtische Wohn- und Lebensformen auch auf dem Land Einzug. Hier sind diese Umbrüche zu entdecken. Zusätzlich zeigt das Museum anhand von Lebensgeschichten aus unterschiedlichen Zeiträumen, wie die Menschen diese Veränderungen erlebt haben und noch erleben.

Interaktive Computer-Animationen neben Biedermeier-Tabakspfeifen, Interview-Videos neben Kartoffel-Hacken - am ersten Wochenende waren die Besucher begeistert vom neuen Mix, der faszinierende Zugänge zur Geschichte ermöglicht. Wer sich um die Vergangenheit so kümmert wie das Bomann-Museum, muss sich wegen der Zukunft keine Sorgen machen.