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Celle Stadt Neuenhäuser Friedhof: Ein Ort zum Gedenken und Verweilen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Neuenhäuser Friedhof: Ein Ort zum Gedenken und Verweilen
19:09 18.09.2016
Quelle: Michael Schäfer
Celle Stadt

NEUENHÄUSEN. Mitten im Herzen von Neuenhäusen liegt die Neuenhäuser Kirche, umgeben von jahrhundertealten Grabplatten, reichlich verzierten Gedenksteinen und modernen Grabanlagen. Der Friedhof der Gemeinde ist mindestens genauso bekannt wie die Kirche selbst. Schließlich war er es auch, der zuerst existiert hat. „Anfangs wurde hier der Friedhof gegründet. Dann kam zwangsweise eine Kapelle, aus der eine Kirche entstand, dazu, und letztendlich hat sich hier auch eine Gemeinde gegründet“, erzählte Wilfried Brandes, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes, den rund 50 interessierten Besuchern seiner Friedhofsführung.

Wegen Überfüllung bereits bestehender Friedhöfe wurde ein Antrag an den Herzog Georg Wilhelm gestellt, einen neuen Platz für die Totenbegräbnisse zu finden. Schließlich wurden 1686 die ersten Bestattungen auf dem Neuenhäuser Friedhof durchgeführt.

Auf den Steindeckeln der Familiengrüfte sind bei genauem Betrachten noch Wappen oder Inschriften zu erkennen. Um Geld und Platz zu sparen, sind die Grüfte rund 2,70 Meter tief, sodass mehrere Särge der Familienmitglieder übereinander begraben werden konnten. „Die Bestattungsrituale konnten damals drei Stunden dauern“, erklärte der Friedhofsexperte. Auch die kunstvolle Steinmetzarbeit der über 300 Jahre alten Barocksteine aus Sandstein hat vermutlich sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Die Epitaphe sind gut erhalten, sodass die Verzierungen und Inschriften noch deutlich erkennbar sind. Auf diese Schmuckstücke ist Brandes sehr stolz.

Bekannt ist der Friedhof vor allem wegen seines großen Adelsfeldes. Noch rund 117 Grabplatten sind auf diesem Feld zu sehen. Mit etwas Fantasie lässt sich der ursprüngliche Anblick des Feldes rekonstruieren – eine Eisenkette um jede Grabplatte, ein Metallkreuz an dessen Kopfseite und bunte Blumen, die treue Diener auf die Gräber ihrer Herren gelegt haben. Der Friedhof fand besonders bei hohen Militärs, Adeligen und kirchlichen Würdenträgern Zuspruch. Auch zahlreiche Hofbeamte haben einen Platz auf dem Neuenhäuser Friedhof gefunden. Einzigartige Geschichten ringen sich um die Bestatteten und Wilfried Brandes kennt sie alle. Die Größe und Art des Adelsfelds ist deutschland- und wahrscheinlich auch europaweit einzigartig und steht unter Denkmalschutz. Durch geld- und zeitaufwendige Reparaturen wurden kaputte Deckel saniert. Dabei fanden Archäologen und Handwerker sogar Reste von kunstvollen Särgen und edlen Tüchern, in denen die Toten beerdigt wurden. „Daran ist wieder zu sehen, wie aufwendig die Bestattungen zu dieser Zeit abliefen“, bemerkte Brandes.

Der Friedhof ist aber auch in einer weiteren Hinsicht etwas Besonderes. Ob private Forte zum Friedhof, Sanierung beschädigter Figuren oder Rettung zweier alter Bäume, die Anwohner waren seit jeher eng mit ihrem Friedhof verbunden und haben ihn so aufrechterhalten, wie er heute zu sehen ist. Außerdem war und ist die Grabstätte schon immer interkonfessionell, was vielen Cellern entgegen kam.

Neben den historischen Grabmälern und weiteren interessanten Gedenksteinen zeigte Brandes zuletzt auch die modernste Bestattungsanlage der Gemeinde, den Memoriam-Garten. Auf dem gärtnerisch gepflegten Teil des Friedhofs können Angehörige mit individuellen Grabmalen bestattet werden. Der Garten wird kontinuierlich gepflegt und die Anlage lädt zum Gedenken und Verweilen ein.

Von Marie Schiller