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Celle Stadt Neuer Schlosstheater-Intendant Döring: „Bin ein Familienmensch“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Neuer Schlosstheater-Intendant Döring: „Bin ein Familienmensch“
15:37 07.02.2014
Der künftige Intendant des Celler Schlosstheaters, Andreas Döring, sprach mit - der CZ über sich und seinen bisherigen Karriereweg. Quelle: Alex Sorokin
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Andreas Döring reist gern: „Gerade in Länder, die ich noch nicht kenne. Einfach den Rucksack packen und los.“ Allerdings wird der 46-Jährige dieser Leidenschaft auf absehbare Zeit nicht frönen können – das liegt zum einen an drei kleinen Sprösslingen, zum anderen am Job, wird Döring doch zur nächsten Spielzeit Intendant des Celler Schlosstheaters. Und damit steht eine Reise ganz anderer Art an.

Der künftige Intendant hat vielerlei Erfahrungen in der deutschsprachigen Theaterlandschaft vorzuweisen, in die Wiege gelegt wurde ihm eine solche Karriere indes keineswegs. Mit entsprechender Verwandtschaft kann Döring jedenfalls nicht aufwarten, betrachtet jedoch seine Schulzeit in einem Bonner Gymnasium als guten Nährboden: „Das war eine spannende Zeit, weil uns viel ermöglicht wurde. Da hieß es schon mal: Morgen fällt der Unterricht weg, geht lieber zur Anti-Nachrüstungs-Demo. Und Theaterprojekte haben wir in der Schule schon gemacht, bevor wir überhaupt ins Theater gegangen sind.“

Zumal eine ganze Reihe Mitschüler am Start waren, die später Prominentenstatus erlangen sollten: „Till Brönner hat bei uns mitgespielt oder Sophie von Kessel.“ Der eine ist inzwischen zum internationalen Star an der Jazztrompete gereift, die andere war mittlerweile als Buhlschaft bei den Salzburger Festspielen zu sehen und drehte Filme mit Alain Delon oder Charlton Heston. Der Standort Bonn tat sein Übriges: „Viele Eltern waren Politiker oder Diplomaten. Es war kaum ein Problem, für eine Podiumsdiskussion mal eben Rainer Barzel in die Schule zu holen.“

Das alles hätte allerdings vielleicht noch nicht unbedingt eine Laufbahn im Kreativbereich angeleiert, wenn nicht die Liebe ins Spiel gekommen wäre: „Ich war in eine Mitschülerin verknallt, die den Berufswunsch Regisseurin hatte“, bekennt Döring. „Daraufhin wollte ich Schauspieler werden …“ Die entsprechende Bewerbung war schnell erfolgreich: In Zürich wurde der Novize angenommen – übrigens hatte auch die hannoversche Hochschule Interesse signalisiert. Nach dem 1990 erworbenen Diplom agierte Döring im Schauspielhaus Zürich, dann in Saarbrücken und Krefeld. Wurde er bevorzugt auf einen bestimmten Rollentyp festgelegt? „Es gab schon eine gewisse Tendenz, die netten Jungs mit mir zu besetzen …“

Nach neun Jahren hatte es sich allerdings mit der Nettigkeit, entnervt schmiss Döring die Brocken hin: „Es war nicht mehr zu ertragen, sich immer körperlich und seelisch ganz und gar zur Verfügung stellen zu müssen, auch dann, wenn man von den Projekten nicht überzeugt war. Ich habe tatsächlich mitten in der Spielzeit gekündigt.“ Eigene Regiearbeiten waren nunmehr angesagt, zunächst auf freiberuflicher Basis, bis Döring 2004 beim Jungen Theater Göttingen zur Chefposition kam wie die Jungfrau zum Kinde: Eigentlich sollte er vor Ort eine Rio-Reiser-Revue inszenieren, wurde dann jedoch gebeten, das in finanzielle Schieflage geratene Theaterschiff wieder auf Kurs zu bringen und dort auch zu halten. Wie sich herausstellen sollte, eine Aufgabe für die nächsten neun Jahre.

Was macht der künftige Celler Intendant, wenn er sich gerade mal nicht ums Theater kümmern muss? „Ich bin ein Familienmensch“, antwortet Döring, verheiratet mit der Schauspielerin Verena Saake und mit drei Kindern gesegnet: Frida (7), Adam (4) und Helene (bald 2). Da liegen, wie gesagt, abenteuerliche Reisen zur Zeit nicht drin. Weshalb der sportliche Theatermacher, einst Deutscher C-Jugend-Meister im Basketball, wohl auch auf ein weiteres Hobby verzichten muss: So schön Celle ist, fürs Skifahren gibt es eben leider geeignetere Örtlichkeiten …

Von Jörg Worat