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Celle Stadt Neuer Spielplan: Celle-Begeisterte suchen Theaterbegeisterte
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Neuer Spielplan: Celle-Begeisterte suchen Theaterbegeisterte
23:09 07.05.2014
Das Team des Schlosstheaters freut sich auf die neue Spielzeit (von links: Cheforganisator Stefan Hartung, Geschäftsführer Stephan Bruhn, Julia Penner vom Jungen Theater, Intendant Andreas Döring, Alexandra Socher vom Marketing, - Sara Masic, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit und Christina Behre von der Theaterkasse). Quelle: Alex Sorokin
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Die entscheidenden Sätze fielen fast nebenbei: „Wir sind begeistert von der Offenheit der Celler. Das macht uns großen Mut für unsere Vorhaben. Und optimistisch.“ Ganz gleich ob Neu-Intendant Andreas Döring, seine organisatorische rechte Hand Stefan Hartung oder die junge Chefin des neuen Jungen Theaters Celle Julia Penner: Alle haben in der Zeit der Spielplanvorbereitung gestaunt ob der Celler Theaterbegeisterung. Und sie haben genau zugehört was ihnen erzählt wurde und die daraus gewonnenen Erkenntnisse sogleich mit in den ersten Spielplan eingebracht.Noch wichtiger als die programmatische Ausgestaltung aber ist die Tatsache, dass das Theater ab der nächsten Spielzeit immer zwei Stücke gleichzeitig im Spielplan haben wird, um diese länger als bisher zeigen zu können. Und wenn eine Produktion in Zukunft mal besonders gut läuft, wird es kein Problem sein, noch einmal die eine oder andere Vorstellung zu einem späteren Zeitpunkt anzubieten. Dafür wird der Cheforganisator des Hauses Stefan Hartung schon sorgen. Das verlangt aber zusätzlich ein größeres Ensemble, das vor Ort verfügbar ist. 16 Schauspieler sind bereits verpflichtet, einer soll noch dazu kommen. Dieses Ensemble wird insgesamt nach der momentanen Planung 22 Produktionen herausbringen, davon sieben im ersten Monat. Weiterhin neun Premieren soll es auf der Hauptbühne geben. Ein Motto gibt es nicht. Aber Döring spricht immer wieder von Zielen, denen er mit seinem Arbeiten generell näher kommen will: gesellschaftliche Fairness, Gerechtigkeit und Versöhnung.Der neue Spielplan beginnt mit dem Klassiker schlechthin: Goethes „Faust“. Und zwar gleich beide Teile in einer Fassung für sieben Schauspieler, die der Intendant selbst inszenieren wird. Bereits vierzehn Tage nach der Spielzeiteröffnung am 12. September folgt ein Stück, das Döring für Celle wegen der großen Anzahl an Flüchtlingen mit gebrochenen Biografien ganz besonders wichtig ist: „Verbrennungen“. Wajdi Mouawads Stück handelt nach- und eindrücklich von den Wunden derer, die ihre Heimat verloren haben. „Auch diese wollen wir für das Theater gewinnen“, so Döring. Es folgt das wunderbare französische Konversationsstück von Yasmine Reza „Der Gott des Gemetzels“. Und dann eine hintergründige Komödie des als Filmemacher bekannten Lars von Trier „Boss vom Ganzen“. Ein Klassiker der Moderne folgt mit Ingmar Bergmanns „Szenen einer Ehe“. Wenn im Anschluss daran Tracy Letts tragikomisches Erfolgsstück „Eine Familie“ folgen wird, ist es bereits Februar. Es schließt sich „Wie im Himmel“ an, die Theaterfassung des bekannten Films von Kay Pollak über einen Dirigenten, der, zurückgeworfen auf sich selbst, ein ganzes Dorf durch gemeinsames Singen therapiert. „Das Evangelium nach Jimmy“ thematisiert danach auf satirische Weise ethische Fragen im weiten Umfeld von Religion und Biologie. Den Abschluss der Saison bildet William Shakespeares „Viel Lärm um Nichts“, das im Schlossinnenhof gegeben wird. Ein starker erster Spielplan, dem man wünscht, dass die Umsetzung so gut gelingt wie das hervorragend gemachte Spielzeitheft.

Von Reinald Hanke