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Celle Stadt Neues Konzept für Garnison-Museum
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Neues Konzept für Garnison-Museum
14:33 05.12.2011
Von Michael Ende
Celle Stadt

CELLE. Goldrichtig ist Arne Homann im Celler Garnison-Museum. Denn der 32-jährige Wissenschaftler ist Schlachtfeld-Archäologe. Im Museum auf der Allerinsel ist er gleich doppelt gut aufgehoben: Einerseits, weil sich hier Relikte aus Kriegen und von Schlachtfeldern aus halb Europa bis unter die Decke stapeln und andererseits, weil die Art der Zurschaustellung des Materials unter modernen museumskonzeptionellen Gesichtspunkten an ein Schlachtfeld erinnert: Hier gibt es eine Menge zu tun, damit aus dem Sammelsurium von Uniformen, Orden, Reservistenkrügen, Fahnen, alten Fotografien, Waffen und Fernmeldegeräten etwas wird, das sich "Museum" nennen kann.

Auslöser für die Neukonzeptionierung war der Umstand, dass im Garnison-Museum bis Dezember 2009 der Kriegsverdienstorden hing, den die Nazis 1944 an Dr. Helene Darges-Sonnemann verliehen hatten. Die Kinderärztin und spätere Chefärztin der AKH-Kinderklinik hatte im Zweiten Weltkrieg 300 kranke Kinder aus dem Kinderkrankenhaus Rothenburgsort nach Celle geführt. Zuvor war sie dort jedoch direkt an der Tötung von Kindern beteiligt gewesen. Als dies bekannt wurde, wurde der Orden vom Garnison-Museum entfernt – die Stadt schaute sich die Sammlung genauer an und stellte einen großen Bedarf fest, die Ausstellung gründlich zu überarbeiten.

"Der Trägerverien des Museums hat die Sammlung mit viel Engagement aufgebaut, aber diese konzeptionelle Arbeit ist von ihm nicht zu leisten", so Erste Satdträtin Susanne Schmitt. Deshalb habe die Stadt eine auf zwei Jahre befristete Volontärsstelle geschaffen, auf die sich 144 Interessierte beworben hätten, von denen Homann schließlich das Rennen gemacht habe.

"Wir brauchen unbedingt diese Unterstützung. Ich bin seit zwei Jahrzehnten dabei und langsam am Ende meines Lateins angelangt", so Museums-Vereinsvorsitzender Hans-Dieter Hegers. "Wir haben alles genommen, was bei uns abgegeben wurde und was in das Museum reinpasste. Doch es kommt auch darauf an, Militärgeschichte ordentlich darzustellen – und wir hoffen, dass Herr Homann in dieser Beziehung neue Ideen mitbringt."

Homann, der in Hamurg Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie sowie Geschichte studierte und zur Zeit "nebenher" seine Doktorarbeit über Schlachtfelder vergangener Epochen schreibt, verschafft sich seit Oktober einen Überblick über die Bestände des Garnison-Museums. "Eine hochwertige Sammlung, aber museal veraltet ausgestellt", meint er. Mittlerweile gebe es dort ja auch Erläuterungstafeln, die etwa an das KZ Bergen-Belsen oder an das Celler Massaker vom 8. April 1945 erinnerten, doch das reiche nicht aus, so Homann.

Jochen Meiners, Direktor des Bomann-Museums, will das Garnison-Museum in das Gesamtkonzept der Celler Museen integrieren: "Uns geht es um historische Anthropologie, und da kommt uns dieses Museum mit seiner sehr personenbezogenen Sammlung sehr entgegen." Analog zum Thema "Mensch und Herrschaft", das im Schloss dargestellt werde, wolle man im Garnison-Museum das Thema "Mensch und Militär" behandeln: "In zwei Jahren werden wir sehr viel weiter sein als heute."