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Celle Stadt Neujahrsempfang: Wiswe spart nicht mit Kritik am Land
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Neujahrsempfang: Wiswe spart nicht mit Kritik am Land
18:23 04.02.2014
Von Gunther Meinrenken
Landrat Klaus Wiswe (Mitte) und Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (rechts) begrüßen Helfried H. Pohndorf, Bürgermeister der Samtgemeinde Flotwedel, zum gemeinsamen Neujahrsempfang von Stadt und Landkreis im Rittersaal des Schlosses. Quelle: Alex Sorokin
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Manchmal ist bei öffentlichen Anlässen das interessanter, was nicht gesagt wird, als das, was gesagt wird. Ein bisschen so verhielt es sich auch am Montagabend beim gemeinsamen Neujahrsempfang von Landkreis und Stadt Celle, zu dem etwa 300 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gekommen waren. Als Gastgeber durfte dieses Mal Landrat Klaus Wiswe (CDU) reden. Und wohl aus lauter Rücksichtnahme, dass sein Co-Gastgeber, Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD), nicht das Wort ergreifen durfte, vermied es Wiswe den drohenden Rechtsstreit um die Kreisumlage zwischen Stadt und Landkreis zu erwähnen – das Thema Finanzen mit einem kleinen Seitenhieb auf die Stadt bildete dennoch einen der Schwerpunkte von Wiswes Ausführungen.

Sichtlich stolz ist der Landrat, dass der Landkreis für 2014 einen deutlichen Überschuss erwirtschaften wird – was eben die Begehrlichkeiten bei der Stadt Celle geweckt hatte. "Seit dem Jahr 2009 steigen die Gewerbesteueraufkommen an, was auf eine insgesamt gute wirtschaftliche Lage unserer Unternehmen schließen lässt und was unsere kommunalen Haushalte deutlich entlastet. Natürlich gibt es da auch immer Ausnahmen", so Wiswe, dessen letzter Satz durchaus als Anspielung auf die Finanzsituation in der Stadt zu verstehen gewesen sein dürfte.

Indirekt erteilte Wiswe im Folgenden der Forderung aus dem Neuen Rathaus, mehr von dem Überschuss zu erhalten als vorgesehen, eine Absage. "Diese Überschüsse brauchen wir auch dringend, denn nur bei Überschüssen sind wir endlich in der Lage, weniger neue Schulden zu machen und können vielleicht anfangen, unsere Schulden auch einmal zurückzuzahlen."

Wiswe freute sich über eine florierende Wirtschaft, erwähnte dabei ausdrücklich den Geflügelschlachthof in Wietze, in dem nun schon 800 Mitarbeiter beschäftigt sind. "Darunter besonders viele, die über keine großen Qualifikationen verfügen und die bisher arbeitslos waren", stellte Wiswe fest.

Der Landrat unternahme auch einen kleinen Streifzug durch die Schullandschaft. Erwähnte unter anderem den Start der Gesamtschule zum kommenden Schuljahr – freilich ohne zu erwähnen, dass diese Schulform ohne den Druck, den Mende auf den Landkreis ausgeübt hat, wohl sonst nie im Landkreis eingerichtet worden wäre.

Kritik äußerte Wiswe an der Landesregierung. Diese lade die Folgen der Inklusion – die immens gestiegenen Kosten für Schulbegleiter – bei den Kommunen ab, anstatt mehr Lehrer einzustellen. Weiterer Kritikpunkt: Die in Wiswes Augen mangelnde Hilfe bei den Folgen des Abzugs der britischen Streitkräfte. Wegfallende Arbeitsplätze, leer stehende Wohnungen und Kaufkraftverlust würden vor allem den Nordkreis belasten. "Das Land muss uns noch mehr unterstützen", forderte der Landrat.