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Celle Stadt "Nicht das Rad neu erfinden"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Nicht das Rad neu erfinden"
15:33 24.02.2012
Von Oliver Gatz
Celle Stadt

Die Eingliederung von Ausländern und Deutschen mit Migrationshintergrund ist eine Aufgabe, die alle gesellschaftlichen Ebenen betrifft. Insofern ist die Arbeit des städtischen Integrationsausschusses eine offene. Das Gremium dient dazu, Vorschläge zu machen, die dann in den anderen Ratsgremien aufgegriffen werden können.

Bei der ersten Sitzung des Ausschusses in der neuen Ratsperiode ging es am Donnerstag darum, Arbeitsschwerpunkte zu benennen. Sozialdezernent Stephan Kassel machte deutlich, dass die Verwaltung hier keine Vorgaben machen möchte, sondern dass die Impulse aus dem Ausschuss kommen sollten. Gleichzeitig hatte Kassel aber schon ein Thema im Blick, mit dem sich das Gremium beschäftigen könnte: Chancengleichheit und Bildung.

Nur ein geringer Teil der jungen Migranten geht auf die Realschule oder das Gymnasium. Die meisten erreichen lediglich den Hauptschulabschluss. Kassel sprach von „ungleichen Bildungszugangschancen“. „Uns geht es darum zu versuchen, allen Schülern Hilfe angedeihen zu lassen“, sagte er. Der Sozialdezernent hat auch die Erwachsenen im Blick. So sollen etwa Sprachkurse kurdische Frauen befähigen, sich im Alltag besser zurechtzufinden.

Kassel regte an, die Fülle der Anregungen aus dem Integrations-Workshop vom vergangenen Jahr aufzugreifen und eine Verbindung zu den Projekten des Bundesprogramms „Toleranz fördern – Kompetenzen stärken“ zu schaffen. „Wir wollen diese Projekte in die Arbeit des Integrationsausschusses einbeziehen“, sagte er. Konkrete Beispiele aus dem Programm: Elternarbeit mit Roma und Sinti, Theateraufführungen in der Innenstadt, Kunst-Aktionen oder Eingliederungsprojekte für Ausländer.

Auch Ausschussvorsitzende Georgia Langhans (Grüne) plädierte dafür, auf die konkreten Vorschläge des Workshops zurückzugreifen. Sie sollten die Grundlage für die Arbeit im Ausschuss bilden. „Es macht Sinn, sich zunächst mit diesen Dingen auseinanderzusetzen“, sagte sie. „Wir müsse ja nicht ständig das Rad neu erfinden.“

In der Diskussion ging es auch um das Leitbild Integration. Amei Wiegel hält dieses für „wenig inspirierend“, da es nur schwammige Vorgaben enthalte. „Man muss andere Wege gehen, um das Leitbild konkret zu machen“, forderte die SPD-Politikerin – etwa durch Zeitvorgaben.

Tim Übermuth (CDU) fragte die Verwaltung, was sie denn insgesamt in den Bereich Integration investieren wolle. Es sei schwierig, hier Kosten zu ermitteln, sagte Kassel. Er nannte als Beispiel den Bereich Bildung, bei dem auch das Land gefragt ist. Ihm sei es wichtig zu schauen, wo Handlungsbedarf bestehe und wo man Synergien schaffen könne. „Das Füllhorn ist nicht gefragt“, betonte Kassel. Selam Hagos (CDU) regte eine stärkere Vernetzung mit anderen niedersächsischen Kommunen an. Und Joachim Falkenhagen (FDP) brachte eine finanzielle Beteiligung der Migranten an den Angeboten ins Spiel.

Bis zur nächsten Sitzung des Integrationsausschusses am 27. Juni sollen die Mitglieder nun Vorschläge machen, welchen Themenschwerpunkten sich der Ausschuss widmen soll. „Das ist für uns so eine Art Kompass“, erläuterte Kassel. In der Diskussion wurde beispielsweise angeregt, Schulleiter zu einer Ausschusssitzung einzuladen oder selbst an den Schulen Präsenz zu zeigen.