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Celle Stadt Niedersachsens Ministerpräsident Weil im CZ-Redaktionsgespräch
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Niedersachsens Ministerpräsident Weil im CZ-Redaktionsgespräch
22:50 04.02.2014
Von Klaus Frieling
Ministerpräsident Stephan Weil stellte sich den Fragen von CZ-Verlegerin Friederike Pfingsten und CZ-Chefredakteur Ralf Leineweber. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

In zwei Wochen jährt sich der erste Jahrestag seines Amtsantritts. Im Gespräch mit der CZ zieht Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) eine positive Zwischenbilanz: „Ich fühle mich in meiner Arbeit bestätigt.“ Politisch sei eine Menge auf den Weg gebracht worden.

Als „greifbarsten Erfolg“ nennt Weil das Thema Atom-Endlager: „Die einseitige Festlegung auf Gorleben ist weg, und es wird keine weiteren Castor-Transporte ins Wendland geben.“ Das sei eine sehr gründliche Änderung, findet der Regierungschef aus Hannover, der nach seinem Redaktionsbesuch gestern auch noch einen Vortrag im Celler Oberlandesgericht hielt.

Sein Thema dort war die Entwicklung Niedersachsens bis zum Jahr 2030. Die werde vor allem vom demografischen Wandel geprägt, verwies er in der CZ-Redaktion schon mal auf den prognostizierten Bevölkerungsschwund von 6,6 Prozent im Landkreis Celle. „Das ist ein wenig überdurchschnittlich“, charakterisierte Weil die Zahl. „Aber das besonders Prekäre ist, dass der Anteil der Älteren steigt, während der Anteil der Jungen um ein Viertel bis ein Drittel zurück gehen wird.“

Es gelte darum, aus den Jugendlichen alle Talente herauszukitzeln, schlug der Ministerpräsident den Bogen zur Bildungspolitik. Auch hier habe die rot-grüne Landesregierung im ersten Amtsjahr einiges bewegt: „Der lange Streit um die Gesamtschulen ist beendet“, nannte Weil einen Erfolg - das ist jetzt Sache der Schulträger.

Angesichts der weitverbreiteten Kritik am Abitur nach acht Gymnasialjahren (G8) schloss Weil aus, „G8 einfach so weiterzumachen“. Als Möglichkeiten werde derzeit die Rückkehr zum früheren G9 (Abitur nach der 13. Klasse) ebenso diskutiert wie Wahlfreiheit zwischen beiden Systemen. „In Niedersachsen gibt es fünf Prüfungsfächer. In anderen Bundesländern sind es nur vier“, nannte er eine weitere Überlegung, die „verschärften Bedingungen“ an den niedersächsischen Gymnasien zu entkrampfen. Noch vor der Sommerpause werde sich die Landesregierung in der Sache klar positionieren.

Als Erfolg des ersten Regierungsjahres gilt Weil auch die beschlossene Abschaffung der Studiengebühren: „Das kostet eine Menge Geld - 120 Millionen Euro jährlich. Aber Niedersachsen ist das letzte Bundesland mit Studiengebühren gewesen, und im Kampf um kluge Köpfe müssen wir ein attraktives Ausbildungsland bleiben.“

Eine gute Nachricht sei es eigentlich auch, dass es weniger Inhaftierte in Niedersachsen gebe, wenn auch die geplante Schließung der Justizvollzugsanstalt Salinenmoor nicht einfach sei für die Region, so Weil. Zukunftsträchtig sei hingegen beispielsweise das Engagement des Raumfahrtunternehmens Astrium in Trauen, für den Politiker ein „spannender Nukleus für die Forschung in der Südheide“.

Mit den vielen Lokalinteressen, mit denen er als Ministerpräsident konfrontiert ist, geht Weil nach eigener Aussage gelassen um. Er habe auf kommunaler Ebene „von der Pike auf“ gelernt, sagt der frühere Oberbürgermeister von Hannover. „Das ist der beste Impfschutz gegen Abgehobenheit.“