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Celle Stadt Nigge-Sieg nach Zitterpartie bei Celler Oberbürgermeister-Wahl
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Nigge-Sieg nach Zitterpartie bei Celler Oberbürgermeister-Wahl
09:51 26.09.2016
Von Michael Ende
Celle Stadt

So begann eine Zitterpartie, die sich über eine Stunde lang hinzog. Immer mehr Wahllokale wurden ausgezählt, Mendes Vorsprung schrumpfte bis auf ein paar Handvoll Stimmen – aber der Trend änderte sich nicht. Bis um 18.46 Uhr plötzlich Jubel die gedrückte Stille durchbrach: Nigge lag mit 50,2 Prozent erstmals vorn. Das Bangen ging weiter. Zwei Minuten später lag Nigge nur noch bei 50,1 Prozent. "Wenn es so bleibt, reicht auch das", sagte FDP-Ratsfraktionsvorsitzender Joachim Falkenhagen, der gespannt auf das Endergebnis wartete.

Das stand um 19.47 Uhr fest: Nigge gewinnt mit 50,7 Prozent. Dann gab's kein Halten mehr. Sektkorken knallten, Applaus, Erleichterung, Begeisterung, Gesänge: "Jetzt geht's los!" Ende der Zitterpartie. Nigge küsste seine Frau Ilka, war sichtlich mitgenommen, gerührt und – ganz kurz – sprachlos. "Ich danke allen, die zu unserem Sieg beigetragen haben", sagte er: "Jetzt lassen Sie uns alle gemeinsam anpacken und Celle voranbringen."

"Heute erleben wir einen glücklichen Tag für unsere Stadt. Die Bürger haben mit ihrer Entscheidung die Weichen auf Zukunft für Celle gestellt", so CDU-Stadtverbandsvorsitzender Alexander Wille: "Mit Jörg Nigge hat unsere Stadt einen zupackenden und dynamischen neuen Chef im Rathaus gewonnen. Jetzt geht es an die Arbeit. Ich freue mich gemeinsam mit Jörg Nigge, mit der Verwaltung und in gutem Zusammenwirken mit den Fraktionen im Stadtrat für eine gute Zukunft unserer Heimatstadt Celle zu arbeiten."

"Die Fraktion der CDU und alle, die mit uns im Wahlkampf unermüdlich gearbeitet haben, werden heute Abend feiern", so CDU-Ratsfraktionschef Heiko Gevers: "Die Aussicht auf klare Führung im Rathaus, auf gute, überparteiliche Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Rathaus und Rat der Stadt, auf eine Politik, die Realität mit Energie und Lust auf Celle verbindet – das macht mich richtig glücklich und spornt an für die nächsten zehn Jahre. Die Zeit, in der der Amtsinhaber bis Februar an seinem Stuhl klebt, werden wir mit einem Lächeln überstehen."

Nigge habe das Zeug dazu, das Potenzial, das Celle ausmache, zu nutzen und die Stadt mit frischer Kraft endlich wieder nach vorne zu bringen, so der Celler CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Adasch: "Dieser Wahlsieg macht deutlich, dass die Bürger Celles Ehrlichkeit und Geradlinigkeit mehr schätzen als das parteipolitisch motivierte Agieren der vergangenen Jahre, das Celle im Landesvergleich deutlich geschadet hat und das wir auch im Wahlkampf leider wieder erleben mussten."

Der Celler CDU-Bundestagsabgeordnete Henning Otte wies angesichts des knappen Ergebnisses darauf hin, dass das politische Lager-Denken der Vergangenheit angehören müsse: "Es geht jetzt darum, dass die Celler wieder zueinander finden. Jörg Nigge ist kein Parteisoldat und genau der richtige Mann auch für diesen kniffligen Job."

Meinung: Wählerwille (von Ralf Leineweber)

Über Wochen haben sich beide Lager einen Wahlkampf geliefert, in dem die Grenzen der Fairness nicht selten überschritten wurden. Beinahe jedes Mittel, so schien es, war recht, um den eigenen Kandidaten in den Vordergrund zu rücken oder den Gegner zu diffamieren. Wohlgemerkt: Hier hat sich keine Seite mit Ruhm bekleckert. Umso wichtiger wird es jetzt sein, dass sich die Protagonisten schnell darauf besinnen, dass es im Sinne der Stadt und der anstehenden Aufgaben keine Alternative zu einer konstruktiven Zusammenarbeit gibt. Die komplizierten Mehrheitsverhältnisse im neuen Stadtrat machen es dabei nicht einfacher. Aber die Wähler haben es so gewollt und diesen Wählerwillen gilt es jetzt umzusetzen.