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Celle Stadt Nonnenmacher in Celle: "Halten Sie an der EU fest"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Nonnenmacher in Celle: "Halten Sie an der EU fest"
15:49 09.05.2014
Professor Günter Nonnenmacher. Quelle: Benjamin Westhoff
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Ein eindringliches Plädoyer für die EU und den Euro hielt Professor Günther Nonnenmacher, Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, am Montagabend in der Celler Congress Union. Vor etwa 500 Zuhörern sprach er auf Einladung der Rotary Clubs Celle und Celle-Schloss über das Thema „Europa und seine Nationalstaaten“.

„Halten Sie an der EU fest! Sie ist eine große welthistorische Innovation der letzten 200 Jahre“, rief der Honorarprofessor fast beschwörend. Und er wies auf einen Widerspruch hin: „Während die Demonstranten auf dem Maidan in Kiew ihr Leben dafür riskieren, Europäer werden zu können, gilt die EU in ihren Mitgliedsländern oft als Buhmann.“

Europa müsse gemeinsame Werte vertreten und einig sein, um international mitreden zu können, forderte Nonnenmacher. Diese Einheit könne nur durch das ständige Bemühen um Kompromisse gefunden werden: „Dabei darf es keine K.-o.-Gewinner und keine K.-o.-Verlierer geben.“ Das bedeute auch: „Wer seine eigene Politik zu 100 Prozent durchsetzen will, kann nicht EU-Mitglied sein.“

Nonnenmacher ist – im Gegensatz zu vielen Euro-Kritikern – der Meinung, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit ihrer Sparpolitik bei der Euro-Rettung weitgehend durchgesetzt hat. Eine „Rückabwicklung des Euro“ würde zu einer „Katastrophe“ für Deutschland führen; eine Einführung von zwei verschiedenen Eurozonen bezeichnete er als „Quatsch“.

Die EU sieht Nonnenmacher durchaus realistisch: „Sie ist weder ein Paradies noch ein Gefängnis. Doch ihre Politiker haben in 60 Jahren eingeübt, alle Konflikte und Widersprüche auf friedlichem Wege zu lösen.“ Er hat keinen Zweifel daran, dass Deutschland und Frankreich auch in Zukunft eine führende Rolle in der EU spielen: „Eine EU ohne Großbritannien ist denkbar, wenn auch nicht wünschbar. Eine EU ohne Deutschland oder Frankreich ist unvorstellbar.“

Die Bedeutung der EU (und der Nato) zeige sich gerade in der Ukraine-Krise, meinte Nonnenmacher: „Niemand im Westen hat damit gerechnet, dass Wladimir Putin durch den Quasi-Einmarsch auf der Krim das Völkerrecht in eklatanter Weise bricht. Vor einigen Monaten war es noch nicht vorstellbar, dass in Europa wieder ein Ost-West-Konflikt ausbrechen würde.“ Nun werde Europas Freiheit „nicht nur am Hindukusch verteidigt“, sondern auch wieder an seinen eigenen Grenzen. Nonnenmacher beklagte, dass Putin auch den Prozess der wirtschaftlichen Liberalisierung in Russland „abgebrochen“ habe.

Und auch einen weiteren Prozess hält der FAZ-Herausgeber für unumkehrbar: „Europa und die USA rücken auseinander.“ Zum Bruch habe schon im Jahr 2003 der Streit über eine Beteiligung am Irakkrieg geführt. Dieser Bruch sei auch unter Barack Obama nicht gekittet worden. Umso wichtiger – so könnte man mit Nonnenmacher folgern – ist die Einheit Europas.

Michael Regehly

Von Michael Regehly