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Celle Stadt Nostalgisches Stadtteilfest im Celler Landgestüt (mit Bildergalerie)
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Nostalgisches Stadtteilfest im Celler Landgestüt (mit Bildergalerie)
19:44 20.08.2017
Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

NEUENHÄUSEN. Am Stand der Besenbinder präsentiert sich altes Handwerk, zu dessen Vorstellung der Verein der Freunde und Mitarbeiter des Landgestüts eingeladen hatte, in Reinkultur. Der Rauch der Feuerschale steigt schon von Weitem in die Nase, je näher man den Männern aus Wolthausen kommt, desto mehr schwindet die Gegenwart, die auch auf dem von schneeweißen, schön verzierten Kissenbezügen und Handtüchern auf der Leine umrahmten Platz nebenan außen vor bleibt.

Die Erwachsenen tragen ihre Neuerwerbung über der Schulter, die Kinder führen sie in Manier einer Hexe mit sich, jederzeit bereit zum Abheben auf dem Reisigbesen. Es geht aber nur zu Fuß übers Gelände des Landgestüts, das am Samstag mit dem Tag des Handwerks sowie dem Neuenhäusener Stadtteilfest mal wieder Außergewöhnliches zu bieten hatte.

Das Waschbrett zieht die Kinder magisch an, sie bestreichen das Leinen mit Kernseife und schrubben. Die älteren Leute lassen die Waschzuber dagegen unberührt und die „Waschfrauen“ Anja Ilper und Wiebke Erlingsen stattdessen teilhaben an ihren Erinnerungen an die „Plackerei vergangener Waschtage“. „Der Andrang ist enorm“, berichten die beiden wie anno dazumal gekleideten „Wäscherinnen“ - Kopftuch und Schürze waren seinerzeit ein Muss.

Die Aussage gilt für die Veranstaltung insgesamt. Die Besucher sind fasziniert von der Handarbeit früherer Jahrzehnte. Selbst Gäste aus Pakistan sind anzutreffen. „Ich bin wegen der Kultur hier, es ist alles so schön alt“, zeigt sich Ibrahim S. ähnlich angetan wie zahlreiche Flüchtlinge aus Syrien, die sich mit großem Interesse den alten Techniken widmen.

Wer wieder auftauchen möchte aus der Vergangenheit, hat in diesem Jahr besondere Gelegenheit dazu, denn er kann Neuenhäusen in Kompaktform erleben. Der Stadtteil hat sich mit seinem alle zwei Jahre stattfindenden Quartiersfest der Nostalgie-Show angeschlossen. CD-Kaserne, TanzHaus, Volkshochschule, CeBus, Malteser und viele weitere Firmen, Vereine und Institutionen präsentieren sich, immer mal wieder unterbrochen von einer Bühnenvorführung, das Prgramm reicht von Line-Dance bis Volksmusik.

Ortsbürgermeister Jörg Rodenwaldt (SPD) ist überall präsent, machte aber gemeinsam mit dem ehemaligen Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) einen Abstecher in den Handwerksbereich. „Zimmermeister Jörg Reinstorf holte uns in seinen Ausstellungsbereich und dort mussten wir sägen – mit der Hand natürlich“, erzählt er lachend. „Das hat doch hier Volksfestcharakter“, beschreibt Rodenwaldt die Atmosphäre treffend.

Allerdings ein Volksfest, auf dem es sehr viel zu lernen gibt. Am Stand der Wald- und Wanderimkerei „Meitzer Busch“ aus der Wedemark wird eine Biologie-Stunde gratis geboten. Alles rund ums Thema Bienen, Honig und Wachs präsentieren Silvia Steinert und Reinhold Hergemöller so anschaulich und optisch ansprechend, dass sie zum besten Stand prämiert wurden. Die beiden hatten damit nicht gerechnet und zeigen sich so erfreut wie Rodenwaldt über die gesamte Veranstaltung: „Ich bin persönlich hellauf begeistert.“

Von Anke Schlicht