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Celle Stadt Notfallserie: Bei Vergiftungen erst 112 wählen und dann den Giftnotruf
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Notfallserie: Bei Vergiftungen erst 112 wählen und dann den Giftnotruf
21:36 03.03.2015
Quelle: dpa
Celle Stadt

Nicht nur Reinigungsmittel und giftige Pflanzen sollten außer Reichweite, wenn kleine Kinder im Haus sind, betont Uwe Ammoneit vom Deutschen Roten Kreuz Celle. Auch nach langen Abenden sollten Kinder früh morgens, wenn die Eltern noch schlafen, nicht an Zigarettenstummel und gefüllte Weingläser herankommen. Außerdem sollten die Großeltern dafür sensibilisiert werden, ihre Tabletten oder Tropfen nicht sorglos herumliegen zu lassen. "Diese Dinge sind für die Kinder viel interessanter, weil sie die Erwachsenen nachahmen wollen", so Ammoneit. "Eine Alkoholvergiftung kann für Kinder lebensbedrohlich sein." Besonders gefährlich ist es, Giftstoffe, Chemikalien, Medikamente und Pflanzenschutzmittel in Getränkeflaschen zu füllen. Was bei Vergiftungen zu tun ist, lernen Eltern im DRK-Seminar "Erste Hilfe am Kind".

Bei Magenkrämpfen, Durchfall, Erbrechen oder Bewusstlosigkeit ist sofort eine ärztliche Behandlung unter der Notrufnummer 112 anzufordern. Ebenso bei Schweißausbrüchen, Schwindel und Bewusstseinstrübungen. Im Notfall ist es wichtig, die Kinder zu fragen, was und wie viel Kinder zu sich genommen haben, sagt Notfallsanitäter Ammoneit. Für den gerufenen Notdienst sollten Eltern die Giftreste oder Erbrochenes für weitere Untersuchungen sicherstellen. Außerdem ist der Eigenschutz zu beachten bei Gasen und Kontaktgiften. Deswegen sollten Schutzhandschuhe angezogen werden.

Bei Erbrechen sollte man Hilfestellung geben, jedoch nicht das Erbrechen selbst herbeirufen. "Das könnte zu anderen Komplikationen führen", erklärt Ammoneit. Bis der Rettungsdienst eintrifft, sollten die Betroffenen beruhigt und getröstet werden. Wie bei anderen Notfällen, müssen wiederholt Bewusstsein und Atmung geprüft werden. Atmet derjenige, so muss er in die stabile Seitenlage gebracht werden. Atmet er nicht, ist eine Herz-Lungen-Wiederbelebung nötig – im Wechsel 30 Mal auf den Brustkorb drücken und zweimal beatmen. Bei inneren Verätzungen sollte zugunsten der eigenen Sicherheit auf die Atemspende verzichtet werden.

Zeigen die Kinder keine bedrohlichen Anzeichen, kann auch das Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord) von der Uni Göttingen unter ☏ (0551) 19240 rund um die Uhr bei qualifizierten Fragestellungen helfen. Das GIZ-Nord ist für die Länder Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein zuständig. Es ist eine zusätzliche Hilfe bei unklaren Giftzeichen, Wirkstoffen und Pilzarten. "Die können zum Beispiel beantworten, ob es schlimm ist, wenn mein Kind an einer Ameisenköderdose geleckt hat", sagt Ammoneit. Im Internet unter http://www.giz-nord.de/ wird auch über den Rückruf von Haushalts- und Lebensmitteln informiert. "Doch bevor man den Giftnotruf informiert, fährt man besser gleich in die Klinik", betont Ammoneit.

Von Dagny Rößler