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Celle Stadt Notfallserie: Celler Ersthelfer sollen mutig sein
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Notfallserie: Celler Ersthelfer sollen mutig sein
18:34 09.02.2015
Nach einem Sportunfall liegt eine junge Frau bewusstlos am Boden. Der Ersthelfer neben ihr hat sie in die stabile Seitenlage gebracht. Per Handy setzt er einen Notruf ab. Ein Verbandset für Wunden hat er auch bei sich.  Quelle: Falko Siewert/DRK GS
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Wird Rettungsdienstleiter Uwe Ammoneit nach den häufigsten Fehlern bei der Ersten Hilfe gefragt, findet er deutliche Worte: „Nicht viel. Der Kardinalfehler ist nichts zu tun.“ Beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Celle versucht er zu vermitteln, dass helfen ganz einfach ist. „Wir wollen, dass die Bereitschaft steigt, etwas zu tun.“ Ammoneit erklärt, dass Menschen durch ihre Lebenserfahrung im Notfall vieles instinktiv richtig machen. Deswegen teilt das DRK zu Beginn der Seminare die Teilnehmer in Gruppen ein und lässt sie allein Aufgaben lösen. Auch ohne genaues Fachwissen wissen die meisten, was bei der Ersten Hilfe zu tun ist. „Wir wollen das Selbstbewusstsein stärken, dass sie schon das richtige tun.“

Den Notfall aus dem Bilderbuch gebe es sowieso kaum, so Ammoneit. Im Alltag kommen Hektik und unvorhersehbare Komplikationen dazu. Beim Auffinden einer bewusstlosen Person gilt es erst einmal laut „Hilfe“ zu rufen, um Umstehende auf die Notfallsituation aufmerksam zu machen. Reagiert der Verunfallte weiter nicht auf Ansprechen und Rütteln, muss seine Atmung durch Hören, Sehen und Fühlen überprüft werden. Ist diese vorhanden, bringt der Ersthelfer den Betroffenen in die stabile Seitenlage, da natürliche Schutzreflexe wie der Schluck- oder Hustenreflex ausgeschaltet sind. Durch die stabile Seitenlage wird sichergestellt, dass die Atemwege freigehalten werden und Erbrochenes oder Blut ablaufen kann. Dabei wird der Mund des Betroffenen zum tiefsten Punkt des Körpers. International gibt es verschiedene Versionen der stabilen Seitenlage. Übereinstimmende Merkmale sind die stabile Lagerung auf der Seite, der überstreckte Kopf und kein Druck auf den Brustkorb, der die Atmung beeinträchtigen könnte. Danach kann der Notruf per Handy abgesetzt werden.

Ammoneit sagt, dass die Erste-Hilfe-Kurse inhaltlich immer schlanker werden. Es gebe immer weniger Ausnahmen. Auch einen Motorradfahrer sollte man in die stabile Seitenlage bringen, ihm den Helm abziehen. „Es zählt nur die Frage: Was bringt jemanden zuerst um?“ Und hier wird die Gefahr des Erstickungstodes durch ein mögliches Verlegen der Atemwege höher bewertet wird als die Gefahr weiterer Wirbelsäulenschäden.

Ist auch die Atmung nicht vorhanden, sollten Helfer mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen. Einige Ersthelfer machen sich viele Gedanken, den richtigen Druckpunkt auf der Brust zu finden oder haben Angst, Rippen zu brechen. Ammoneit sagt: „Seien Sie mutig, packen Sie zu und fangen Sie an zu drücken.“ Zuerst sollten Helfer dreißig Mal auf den Brustkorb drücken, dann zwei Mal Mund zu Mund beatmen und wieder 30 Mal drücken. Helfer sollen dies so oft wiederholen, bis die Rettungskräfte eintreffen.

Überall wo viele Menschen sind, hängen immer öfter automatisierte externe Defibrillatoren (AED). Meist sind sie im Eingangsbereich von Gebäuden oder im Sanitätsraum platziert. Ein grünes Schild mit Herz, Kreuz und Blitz weist darauf hin. Wer das Gerät benutzt, muss einfach den Sprachanweisungen folgen. Durch gezielte Stromstöße können so Herzrhythmusstörungen beendet werden.

Ersthelfer sollten sich fragen, welche Bedürfnisse der Betroffene haben könnte, erklärt Ammoneit. Wer wach ist, werde automatisch eine Schonhaltung einnehmen, sodass es am wenigsten wehtut. Bei Brüchen oder Stauchungen werden Schmerzen durch das Polstern mit Decken, Kissen oder Kleidungsstücken vermindert. Decken wärmen auch die Unfallopfer. Starke Blutungen können mit einem Druckverband gestillt werden. Und selbst einige Worte können die Betroffenen beruhigen.

Von Dagny Rößler