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Celle Stadt Notmaßnahme für CeBus
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Notmaßnahme für CeBus
16:46 17.02.2012
Von Heiko Hartung
Celle Stadt

Verständnis für die wirtschaftlichen Zwänge der CeBus einerseits und die Weigerung, die geplanten Einschnitte im öffentlichen Personennahverkehr einfach hinzunehmen andererseits, hat die gestrige Sitzung des Wirtschafts- und Verkehrsausschusses des Kreises geprägt. Am Ende einigten sich die Kreispolitiker bei einer Enthaltung auf ein Moratorium: Um zu verhindern, dass bereits zum 30. April der zusammengestrichene Fahrplan des Celler Verkehrsunternehmens CeBus in Kraft tritt, soll eine Notmaßnahme greifen. Diese soll für einen gewissen Zeitraum das derzeitige Busangebot erhalten – und der Politik Zeit geben, die Zukunft des ÖPNV in Stadt und Landkreis auszudiskutieren. Gleichzeitig solle bei der Stadt Celle angefragt werden, ob sie für den Erhalt des jetzigen Busangebots Geld locker machen will. Bereits 2010 wurde eine mehrmonatige Notmaßnahme genutzt, um das ÖPNV-Angebot neu zu ordnen. Kosten damals: etwa 46.000 Euro pro Monat, die der Landkreis der CeBus aus Regionalisierungsmitteln gewährte.

Erster Kreisrat Matthias Krüger begrüßt einen Aufschub: „Es ist nicht sinnvoll, das Angebot runterzufahren, um es dann nach kurzer Zeit wieder aufzustocken.“ Und auch der Celler Fahrgastbeirat unterstützt die Entscheidung: „Ein guter Ansatz, den Nahverkehrsplan nicht gleich nach einen Jahr wieder zu den Akten zu legen sondern an dem Erarbeiteten festzuhalten“, urteilte Sprecher Bernd Skoda.

Zuvor hatte CeBus-Geschäftsführer Stefan Koschick die Fraktionen über die geplanten Kürzungen informiert. Dabei wurde erstmals die Dimension klar: Etwa 28 Prozent aller derzeitigen Fahrten würden nach dem derzeitigen Stand wegfallen. Für Charles M. Sievers (FDP) ein starkes Stück: „Das sind ja 200 bis 300 Fahrten täglich.“ Juliane Bischoff (CDU) und Annegret Pfützner (Grüne) sehen darin eine Negativspirale: „Man kann den ÖPNV auch kaputt sparen“, sagte Bischoff. Und Maximilian Schmidt (SPD) machte deutlich: „Wenn der Standard gehalten werden soll, muss die Stadt das Angebot mitfinanzieren.“ Ihm sei wichtig, das man nicht alle halbe Jahre wieder über Fahrplanveränderungen reden müsse. „Der allgemeine Busverkehr muss laufen, auf Dinge wie den Entdeckerbus oder den Kulturbus kann man verzichten.“

CeBus-Chef Koschick wies erneut darauf hin, dass „über zehn Jahre ein Top-Angebot mit einem Halbstundentakt“ angeboten worden sei. Nur: „Die Bürger haben das Top-Angebot auf einigen Linien nicht angenommen.“ Ausschussvorsitzender Torsten Harms (CDU) regte für die künftige Detailplanung an, in nachfragestarken Zeiten die Takte zu verdichten und gegebenenfalls in der fahrgastarmen Mittagszeit Fahrten zu streichen.

Unterdessen hat die CDU-Fraktion im Stadtrat beantragt, dass die Stadtverwaltung umgehend Gespräche mit der Kreisverwaltung über die Fahrplan- und Netzänderungen aufnehmen solle. Es müssten Mittel und Wege gefunden werden, eine angemessene ÖPNV-Versorgung auch in Zukunft zu gewährleisten. Die städtische WG-Fraktion forderte die Verwaltung auf, die langjährigen Zuschüsse der Stadt sowie deren Verwendung durch die CeBus offenzulegen. Nur so könne beurteilt werden, ob weitere Zuschüsse zum ÖPNV gerechtfertigt seien.

Kommentar:

Die Celler Politiker wissen, dass das Festhalten am derzeitigen Busangebot wirtschaftlich unverantwortlich wäre. Denn die Gründe der CeBus für ihr Sparprogramm sind klar: Warum sollte ein Bus Ortsteile anfahren, wenn dort (fast) niemand ein- oder aussteigt? Aber so richtig trauen sich die Parteien nicht, die „heilige Kuh“ ÖPNV zu schlachten. Denn der Aufschrei der Bürger wäre riesengroß – auch bei den Zweitwagenbesitzern, die das letzte Mal als Schüler Bus gefahren sind. Wer auf den Bus angewiesen ist, wird ihn auch bei vermindertem Angebot nutzen. Alle anderen fahren schon jetzt lieber mit dem Auto. Ein Moratorium verschafft der Politik Zeit, sich darüber klar zu werden, ob man den Status quo halten will. Die Entscheidung, ob zusätzliche Steuergelder in den ÖPNV gesteckt werden sollen, muss eines Tages aber getroffen werden. Das wird unpopulär – oder teuer. Heiko Hartung