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Celle Stadt Nur ein paar Süßigkeiten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Nur ein paar Süßigkeiten
12:09 23.12.2011
Celle Stadt

Wütend knallt Marik die Tür hinter sich zu und kämpft mit den Tränen. Es gab wieder einmal Streit zwischen dem Siebenjährigen und seinem 16-jährigen Bruder Adrian. „Das kommt in der letzten Zeit sehr oft vor“, seufzt Sabine Papke, die Mutter. „Die Beiden müssen sich momentan ein Zimmer teilen und der Altersunterschied ist einfach zu groß.“ Früher war Abstand halten einfacher „und Marik hätte sich mit seinem zerknautschten Teddy auch schneller wieder beruhigt“. Seit dem Brand fehlen all die tröstlichen Lieblingsstücke und vertrauten Dinge, die eine Wohnung erst zu einem Heim machen. Die Renovierung geht nur langsam, Schritt für Schritt, voran.

Bergen. Noch vor einem Monat war die Welt der Papkes (Namen geändert) soweit in Ordnung. Die alleinerziehende Mutter von vier Kindern musste zwar mit dem Gehalt ihres Halbtagsjob und den ergänzenden sozialen Bezügen auskommen, „aber es ging“. Nachdem ihr Mann sie, nach der Geburt ihres Jüngsten, von heute auf morgen verlassen hatte, musste die 38-Jährige lernen, mit noch weniger zu haushalten. „Von ihm war ja nichts zu holen, da war ich auf mich alleine gestellt.“ Heuer hatte es sogar für eine kleine Summe Erspartes für die Weihnachtsgeschenke gereicht.

„Das ist jetzt futsch“, sagt Sabine Papke, „draufgegangen für die notwendigsten Renovierungsarbeiten.“ Ein Wohnungsbrand hat Mitte November das vertraute Heim der Familie in Schutt und Asche gelegt. Die Mutter kam mit ihrem Jüngsten gerade noch unversehrt vor die Tür, die Zwillinge und Adrian waren „Gott sei Dank“ noch in der Schule. Nachbarn hatte in der Zwischenzeit bereits die Feuerwehr verständigt, die in Rekordzeit zum Einsatzort kam. „Wir hatten am Ende noch Glück. Die Wohnung ist zwar ausgebrannt, aber das Feuer konnte noch vor dem Übergreifen auf andere Wohnungen gerade noch rechtzeitig gelöscht werden.“ Die Untersuchung ergab eine defekte elektrische Leitung als Brandursache.

Die Papkes kamen mit dem Leben davon, aber ihr gesamtes Hab und Gut fiel den Flammen, beziehungsweise den darauf folgenden Löscharbeiten zum Opfer. Die Familie war außerdem nicht ausreichend versichert –„wovon hätte ich das auch bezahlen sollen“ – deshalb reichten die erstatteten Gelder nur für die grobe Instandsetzung der Wohnung. Alles andere müssen die fünf jetzt alleine aufbringen. „Man kann sich das gar nicht vorstellen. Vom Kaffeepott, über die Zahnbürsten und das Bettzeug, von den Möbeln bis hin zu den Schulsachen und dem Spielzeug der Kinder ... – alles weg, von einem Moment zum anderen.“

Bürger und Freunde aus Bergen und der Umgebung haben spontan geholfen. Gaben der Familie Unterschlupf, öffneten Speicher und Kleiderschränke um die vom Schicksal so hart Getroffenen zu Unterstützen. „Wir sind wirklich dankbar über all die hilfreichen Hände. Ohne Sie alle hätten wir es nicht geschafft!“ Dennoch sitzen Schock und Verlustgefühl noch schwer in den Knochen. Sabine Papke musste sich erst einmal krankschreiben lassen, später beurlauben, um sich um ihre, von dem Erlebnis stark mitgenommenen Kinder zu kümmern und sie immer wieder zu trösten. „Aber lang können wir uns das nicht leisten, sonst verliere ich meinen Job“.

Das Weihnachtsfest wird in diesem Jahr bei den Papkes sehr karg ausfallen. Die zwölfjährigen Zwillinge, Jennifer und Nicole, haben selbst Weihnachtsschmuck gebastelt und ein Nachbar hat den kleinen Baum spendiert. „Aber drunter liegen wird heuer, außer ein paar Süßigkeiten, wohl nichts“ – dafür ist die Liste mit erträumten Weihnachtswünschen heuer besonders lang.

Von Doris Hennies