Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Offener Brief gegen Kürzungen bei Celler Stadtbibliothek
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Offener Brief gegen Kürzungen bei Celler Stadtbibliothek
17:55 09.12.2013
Von Oliver Gatz
Dürfte bald nicht mehr ganz so viel zu schleppen haben: Bibliotheksleiterin Petra Moderow. Bei der Anschaffung von Büchern und Zeitschriften hat die Verwaltung den Rotstift angesetzt. Quelle: Peter Müller (Archiv)
Celle Stadt

Laut Vorschlag der Verwaltung sollen die Mittel, die die Stadtbibliothek 2014 zur Anschaffung von Büchern und Zeitschriften bekommt, um die Hälfte gekürzt werden – von 100.000 Euro auf 50.000 Euro. Dagegen protestiert die Bibliotheksgesellschaft. Sie verweist darauf, dass schon seit Mitte des Jahres die Haushaltssperre die Bibliothek stärker belaste als andere Teile der Stadtverwaltung. Jetzt hat der Vorstand seinen Unmut über die angedachten Einsparungen in einem Offenen Brief an die Politik und Verwaltung zum Ausdruck gebracht.

Angesichts der geplanten Kürzungen könne der Buchbestand nicht mehr aktuell gehalten werden, lautet die Kritik. Das sei aber nötig, damit die Leser sich angesprochen fühlten, betont Jürgen Brandes, Vorsitzender der Bibliotheksgesellschaft.

Erreichen will die Bibliotheksgesellschaft vor allem, dass die Stadtbibliothek ihre „Leuchttürme“ aktuell halten kann: die thematischen Bücherkisten für Schulklassen und Kitas, Materialien für Facharbeiten an Schulen und in der Ausbildung, Großdruck-Bücher für Senioren, Bestseller, zweisprachige Bilderbücher und den Online-Zugang zu Archiven und Enzyklopädien.

Die Bibliotheksgesellschaft begrüßt, dass die Stadt gerade jetzt die wichtigsten Ziele, an denen die Politik orientiert werden soll, neu formuliert. „Wenn Sicherung und Schaffung von eigenen kommunalen Strukturen für lebenslanges Lernen ganz obenan stehen soll“, so Vorstandsmitglied Lothar Haas, „dann muss das – auch unter schwierigen Umständen – bedeuten, die Stadtbibliothek zu stärken und weiterzuentwickeln. Geschwächt werden darf sie auf keinen Fall.“

In der Politik zeigt man Verständnis für den "bewundernswerten" Protest der Bibliotheksgesellschaft, sieht sich aber angesichts der kritischen Haushaltslage in einer schwierigen Lage. "Wenn wir nicht jetzt auf der Ausgabenbremse stehen und freiwillige Ausgaben reduzieren, werden wir uns in absehbarer Zeit keinerlei freiwillige Ausgaben mehr leisten können", argumentiert CDU-Fraktionschef Heiko Gevers. Deshalb müssten alle Ausgaben hinterfragt werden. „Bei den zu treffenden Entscheidungen werden sich viele Ratsmitglieder heftige Kritik gefallen lassen müssen. Ich kann nur hoffen, dass wir das zum Wohle unserer Stadt aushalten können."

SPD-Fraktionschef Jürgen Rentsch will der Bibliotheksgesellschaft zur Zeit keine großen Hoffnungen machen. „Nach dem jetzigen Stand kommen wir um die Kürzungen nicht herum, es sei denn, dass sich in den Beratungen völlig neue Aspekte ergeben", so Rentsch. In jedem Fall wolle man den Bestand der Außenstelle der Bibliothek am Lauensteinplatz sichern. „Auch das ist nicht selbstverständlich, und wird nur mit Mühe durchzusetzen sein."

Die Grünen wollen in der jetzigen Beratung den vorgelegten Etat nicht mehr aufschnüren. Man wolle sich aber im Frühjahr in den Gesprächen mit der KGSt für ein stabiles Bibliothekswesen einsetzten, so Fraktionschef Bernd Zobel. Außerdem seien die vorgesehenen Kürzungen, die im Gesamtetat der Stadtbibliothek nur einen geringen Prozentsatz ausmachten, nur für das Haushaltsjahr 2014 vorgesehen. „In den Folgejahren 2015 und 2016 stehen dann wieder mehr Gelder für Neuanschaffungen zur Verfügung. Das ist ein versöhnlicher Ausblick“, sagt Zobel.

Unabhängigen-Fraktionschef Udo Hörstmann verweist auf eigene Sparvorschläge zum Haushalt 2014, die es aus seiner Sicht nicht notwendig machen, in die Lebensqualität der Bürger so massiv eingreifen zu müssen. „Eine Halbierung des Zuschusses für die Stadtbibliothek wäre ein solcher Einschnitt", meint Hörstmann. „Ich hoffe daher sehr, dass die anderen Parteien sich ernsthaft mit unseren Vorschlägen auseinandersetzen werden, um auf diese Art und Weise die notwendigen Einsparungen für die Bevölkerung insgesamt erträglicher zu machen."