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Celle Stadt Offiziell bestätigt: Neues Wolfsrudel bei Walle nachgewiesen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Offiziell bestätigt: Neues Wolfsrudel bei Walle nachgewiesen
12:41 20.03.2018
Von Christoph Zimmer
Themenfoto Quelle: dpa
Celle

„In Niedersachsen sind damit aktuell 15 Wolfsrudel nachgewiesen“, sagte Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft Niedersachsen, laut einer am Dienstagmorgen veröffentlichten Pressemitteilung. Zuerst hatte die CZ am 8. März über die neuen Spuren berichtet, die auf ein Wolfsrudel hindeuteten.

Ab Juli 2017 hatte es in diesem Gebiet Hinweise auf Reproduktion gegeben – ein definitiver C1-Nachweis konnte allerdings nicht erbracht werden. Das Gebiet wurde daraufhin unter Beobachtung gestellt und die Landesjägerschaft intensivierte das Monitoring. Zunächst gelang der genetische Nachweis einer Wolfsfähe (Herkunft Rudel Babben, Brandenburg). Nun, nach Vorliegen weiterer genetischer Untersuchungsergebnisse, konnten hier weiterhin ein Rüde (Herkunft Rudel Göritz-Klepzig, Brandenburg) sowie vier zugehörige Welpen – drei Fähen und ein Rüde – nachgewiesen werden, wie Reding weiter mitteilte.

Offiziell bestätigt waren im Landkreis Celle bisher nur das Berger Rudel, das auf dem Truppenübungsplatz lebt, das Unterlüßer Rudel vom Rheinmetall-Schießplatz und das Escheder Rudel. Ein Wolfsrudel besteht durchschnittlich aus etwa fünf bis zehn Tieren.

Zudem sind weitere Wölfe im Celler Land unterwegs, die in den Nachbarlandkreisen ihr Territorium haben. Schließlich sind Landkreisgrenzen für die Tiere nicht relevant, die Rudel auf dem Truppenübungsplatz Bergen und im Ostenholzer Moor sind im Heidekreis und im Landkreis Celle unterwegs, ebenso die Rudel aus Wietzendorf und Munster, die wie das Rheinmetall-Rudel auch den Uelzener Raum bestreifen. Zu vermuten ist außerdem, dass auch das Escheder Rudel Ausflüge in die Nachbarschaft unternimmt.

Für dieses Rudel ist im vergangenen Jahr allerdings kein Nachwuchs – es gibt keine Fotos von Welpen – nachgewiesen worden, sodass es Vermutungen gibt, dass die Escheder Wölfe nach Walle umgezogen sind. "Das wird auch untersucht", sagte Reding Anfang März gegenüber der Celleschen Zeitung. "Erste genetische Nachweise lassen aber auf ein neues Rudel in Walle schließen." Unbekannt ist zudem die Herkunft von drei Wölfen, die seit Januar den Raum Eldingen-Beedenbostel-Höfer-Eschede bestreifen.

"Es gibt ein Video, das drei Welpen im Bereich Walle zeigen soll", sagte Reding Anfang März. "Die Qualität ist aber nicht ausreichend, um ein Wolfsrudel nachzuweisen." Seither liefen die Untersuchungen weiterer Genetikproben. Insbesondere sollten aus den gefundenen Losungen Erkenntnisse gezogen werden.

Am 17. Mai 2007 hatte Winfried Häsemeyer auf dem Schießplatz von Rheinmetall einen Wolf fotografiert und damit belegt, dass sich in Niedersachsen wieder ein Wolf aufhält. Zum ersten Mal seit rund 150 Jahren wurden im Sommer 2012 dann wieder wilde Wolfswelpen in Niedersachsen geboren. Das bewies ein kurzes Video, das drei Jungtiere auf dem Truppenübungsplatz Munster-Nord zeigte. Im August 2014 wurde das dritte Wolfsrudel im Landkreis Celle (Bergen, Unterlüß, Eschede) nachgewiesen. Seinerzeit war es das fünfte in Niedersachsen. Inzwischen sind 15 Wolfsrudel, zwei Wolfspaare und drei residente Einzelwölfe nachgewiesen. Einer davon in Walle, wo sich inzwischen ein weiteres Rudel angesiedelt hat.

Anfang März erfolgte außerdem bei Meppen der erstmalige Nachweis von zwei Wölfen durch Fotofallenaufnahmen. Ob es sich hierbei um ein neues Wolfspaar handelt ist derzeit noch unklar, das Gebiet wurde von der Landesjägerschaft Niedersachsen unter Beobachtung gestellt. Auch in dem Naturschutzgebiet Die Lucie (LK Lüchow-Dannenberg) häufen sich demnach die Hinweise auf ein neues territoriales Wolfsvorkommen: ein männlicher Nachkomme des Wolfsrudels bei Niesky (Sachsen) wurde zwischen Juli und November 2017 bereits mehrmals genetisch nachgewiesen. Zur Klärung der Situation werde das Monitoring intensiviert, so die Landesjägerschaft.

Nicht bestätigen ließen sich laut Landesjägerschaft hingegen neue territoriale Vorkommen in den Gebieten Scheeßel (LK Rotenburg) und Rosche (LK Uelzen): Seit Mitte des Jahres 2017 wurden hier mehrere Hinweise gemeldet, die neue territoriale Vorkommen vermuten ließen. Die neuesten genetischen Untersuchungen konnten diese Vermutungen nicht bestätigen. In beiden Fällen handelte es sich demnach um Individuen aus den benachbarten Territorien: Im Raum Scheeßel aus dem Schneverdinger-Territorium, bei Rosche aus dem Territorium in der Göhrde. Die beiden Gebiete stünden nicht mehr unter Beobachtung.

Für das laufende Monitoringjahr (1. Mai 2017 – 30. April 2018) stehe für die Wolfsrudel Munster, Gartow, Eschede, Cuxhaven und Visselhövede noch die Reproduktionsnachweise aus. Sollte aus diesen Rudeln bis zum Abschluss des Monitoringjahres nicht noch Reproduktion nachgewiesen werden, werde der Status in diesen Gebieten auf „unklar“ herabgestuft und folglich würden diese Territorien im nächsten Monitoringjahr nicht mehr als Rudel geführt. "Dies muss nicht bedeuten, dass diese Rudel nicht mehr existieren, aber für die Einstufung als Rudel sind nach den nationalen Monitoringstandards, Reproduktionsnachweise
innerhalb des Monitoringjahres zu erbringen", hieß es.

Die Ausbreitung der Wölfe in Niedersachsen wird wissenschaftlich dokumentiert. Das Umweltministerium hat mit dem Wolfsmonitoring die Landesjägerschaft Niedersachsen beauftragt, die diese Aufgabe in
enger Zusammenarbeit mit dem NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küstenund Naturschutz) und den ehrenamtlichen Wolfsberatern wahrnimmt. Wer Spuren, Losungen oder Risse findet, die auf einen Wolf hinweisen, oder einen Wolf sieht, sollte seinen Fund dem örtlichen Wolfsberater
oder der Landesjägerschaft Niedersachsen (wolf@ljn.de) melden.

Aktuelle und detaillierte Informationen zum Wolfsmonitoring in Niedersachsen finden Sie auf unserer Internetseite www.wolfsmonitoring.com.