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Celle Stadt Offizielles Fasten kommt für viele Celler nicht in Frage
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Offizielles Fasten kommt für viele Celler nicht in Frage
19:37 17.02.2015
Von Carsten Richter
ARCHIV - ILLUSTRATION - Eine Bildkombo zeigt eine junge Frau die von einer Tafel Schokolade abbeißt (am 27.01.2012 in Köln, l-r), ein Glas mit Schnaps vor Flaschen mit Spitrituosen (am 09.06.2009 in Stuttgart) und einen rauchenden Mann mit einer Zigarette (am 25.06.2013 in Stuttgart). Viele Menschen in Deutschland wollen in der Fastenzeit auf etwas verzichten - Süßigkeiten, Alkohol und Zigaretten stehen dabei ganz oben auf der Liste. Foto: Oliver Berg/Bernd Weißbrod/Daniel Bockwoldt/dpa (zu dpa "Fasten" vom 13.02.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: Dpa
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„Nach offiziellen Regeln zu fasten, ist Blödsinn“, meint Harald Kirst. „Wenn, dann soll man sich das für sich persönlich vornehmen“, sagt der 68-Jährige. „Ich denke, dass ich gesund lebe. Fasten muss nicht sein.“ Das sieht auch Sonja Baumgart so: „Ich trinke wenig Alkohol und ernähre mich gesund“, so die 32-Jährige. Nur auf eines möchte die Cellerin nicht verzichten: Schokolade. „Die muss sein“, lacht Baumgart.

„Ich brauche nicht fasten“, sagt Jutta Wilkens-Sandermann überzeugt, „ich halte mich eh zurück“. Immerhin hat die 63-Jährige schon Erfahrung im Fasten. „Ich habe vor Jahren mal gemeinsam mit Freundinnen gefastet und zehn Tage lang nichts gegessen“, erzählt sie. „Das ging ganz gut. Ich hätte auch noch weitermachen können.“ Wenn sie weniger esse, könne sie dafür Leckereien wie einen Berliner zum Beispiel erst so richtig genießen, sagt sie.

Apropos genießen: Bei der Umfrage der CZ outen sich viele Celler als Genussmenschen. „Wenn es geht, genieße ich das Essen“, so Michael Schülke. Der 34-Jährige würde nur aus gesundheitlichen Gründen, aber nicht freiwillig fasten. „Und Alkohol trinke ich eh nicht“, sagt Schülke.

„Von allem etwas und nicht zu viel“, bringt es Ramona Lau auf den Punkt. Ein gesundes Mittelmaß sei gut. Auch sie bezeichnet sich als Genussmensch. „Ich verzichte auf nichts, habe das auch noch nicht ausprobiert“, so die 43-Jährige. „Am Anfang ist es am schwierigsten“, weiß der 64-jährige Walter Sülzner. Zwei Wochen lang hat er mal gemeinsam mit Kollegen auf Alkohol verzichtet. „Ich wollte das einfach mal ausprobieren.“

Die katholische Kirche in Celle regt derweil dazu an, die Tradition beizubehalten. Fasten drehe sich ja auch nicht allein um den Verzicht auf bestimmte Genussmittel, sagt Andreas Tenerowicz, Pfarrer der St.-Ludwig-Gemeinde. „Wer sich beim Essen beschränkt, könne sein Geld stattdessen mit Armen und Bedürftigen teilen.“

Die reformatorischen Kirchen waren lange sehr kritisch gegenüber allen religiösen Ritualen. Inzwischen sei man in Sachen Fasten entspannter, sagt Uwe Schmidt-Seffers, Sprecher des evangelischen Kirchenkreises Celle. „Weniger ist manchmal mehr, und wer etwas reduziert, bekommt einen schärferen Blick für das, was wirklich wichtig ist.“